Im Gespräch mit Eric Perrot

Eric Perrot hat große Pläne. In der letzten Saison schaffte der 21-jährige Franzose den Durchbruch im Weltcup mit einem 8. Platz im Sprint, womit er ein Ticket zu den Winterspielen lösen konnte. In diesem Sommer trainiert er zum ersten Mal mit dem französischen A-Kader, was ihm einen zusätzlichen Motivationsschub gegeben hat.

Biathlonfamilie, auch zuhause

Die Entscheidung für den Biathlonsport ist dem jungen Franzosen nicht schwergefallen. In jungen Jahren war er noch beim Skilanglauf, aber schon mit neun Jahren wechselte er zu den Skijägern. Schon sein Vater Franck Perrot hatte für Frankreich bei Weltmeisterschaften Medaillen gewonnen, seine Mutter Tone Marit Oftedal ist Juniorenweltmeisterin sowie zweifache norwegische Meisterin. „Ich konnte mir die Sportart frei aussuchen, und ich habe mich für Biathlon entscheiden, also haben sie mich unterstützt. Deswegen bin ich heute hier, nicht weil sie mich dahin gedrängt hätten.“

„Ich nehme jeden Ratschlag meiner Eltern an, weil es ja der richtige sein könnte. Aber ich mache Dinge auch gern auf meine Art. Ich richte mich ganz danach, was sich für mich am besten anfühlt. Ich höre mir viel an und versuche dann, meinen Weg zu finden.“

Perrot hat Wurzeln in zwei großen Biathlon-Nationen, und die Frage drängt sich auf, ob Frankreich die offensichtliche Wahl war.

„Ich habe immer in Frankreich gelebt, also ist mir die Entscheidung leichtgefallen. Aber das sind natürlich zwei große Nationen, und es wäre bei jeder der beiden eine Ehre, für sie anzutreten. Ich bin jetzt aber in der französischen Mannschaft und werde nicht wechseln.“

Was seine Kindheitsidole angeht, fällt ihm nicht nur ein Name ein. „Jeder, der gut ist, ist für mich ein Vorbild. Raphaël Poirée, Ole Einar Björndalen, Martin Fourcade, Johannes Bö ... es macht Spaß, gegen Johannes anzutreten, den ich als Kind im Fernsehen gesehen habe. Ich kann mich noch an meinen ersten Weltcup erinnern, als ich ihn starten sah und wusste, dass ich gegen ihn antrete. Das war eine coole Erfahrung.“

Olympiasaison

Nach Starts im IBU Cup und im Juniorencup (und drei Medaillen bei den Juniorenweltmeisterschaften) stieg Perrot in der letzten Saison in den Weltcup auf. Auch wenn es keine leichte Saison war, hat er viel dazugelernt. „Manchmal, wenn es gut läuft, dann gibt mir das einen Schub und zeigt mir, dass ich gegen die Besten der Welt antreten kann. Zu den Winterspielen fahren zu können und einfach erleben zu können, wie das ist, das war eine großartige Erfahrung für mich. Ich war glücklich und stolz, das alles zu sehen.“

Fragt man ihn nach der größten Lektion der Saison, ist die Antwort klar.

„Für mich ist der größte Unterschied (zwischen Juniorencup und Weltcup), dass die Weltcup-Athleten überall auf der Strecke so schnell sind. Als ich in Östersund meinen ersten Sprint gelaufen bin, habe ich gedacht: ‚Wow, sind die alle schnell!‘, und ich musste mich jede Sekunde komplett verausgaben. Das ist der größte Unterschied zwischen Junioren und Senioren. Ich habe in diesem Jahr viel darüber gelernt, wie man gegen die Weltcup-Athleten antritt, und ich hoffe, dass mir das die Kraft und mentale Einstellung gibt, um nächstes Jahr noch mehr herauszuholen.“

Training mit dem A-Kader

In diesem Sommer trainiert Perrot mit dem A-Kader. Für den jungen Biathleten ist es „eine Freude, mit dem A-Kader zu trainieren. Ich kann viel von ihnen lernen, und jeden Tag mit ihnen zu trainieren, das inspiriert mich sehr. Natürlich merke ich auch im Training, wie schnell sie sind. Ich schaue ihnen zu, aber die Einheiten sind nicht die gleichen. Ich versuche, alle Ratschläge mitzunehmen und auf mein Training anzuwenden. Ich hoffe, dass ich mich damit in diesem Winter verbessern kann.“

Auf sein Sommertraining angesprochen wirkt Perrot weiser als seine 21 Jahre vermuten lassen.

„Ich trainiere in diesem Sommer ein bisschen mehr. Aber ich gehe das Schritt für Schritt an. Wenn ich einen zu großen Schritt mache, dann bin ich erschöpft und kann nicht mithalten. In den nächsten Jahren werde ich sicher so viel trainieren wie der A-Kader, aber momentan bin ich ja noch ein Junior.“

Der erste Lackmus-Test für den Erfolg des Sommertrainings war das Blink Festival Anfang August. Perrot trat zum ersten Mal als Senior in Sandnes an und konnte den Unterschied klar spüren. „Das ist hart, wenn ich nicht so erfolgreich bin wie bei den Junioren, aber ich muss weiter lernen, meine Arbeit gut zu machen. Ich weiß, dass ich mich verbessern werde und hoffentlich um ein paar Siege mitlaufen kann. Das gibt mir dann auch wieder Selbstvertrauen, denn momentan habe ich da hinten im Feld nicht so viel Selbstvertrauen. Das muss man lernen.“

Große Ziele für die Zukunft

„Ich träume gern, also will ich sagen: Das große Ziel ist, der Beste der Welt zu sein. Ich möchte in jedem Rennen um den Sieg kämpfen. Ich werden weiter darauf hinarbeiten, und vielleicht darf ich das eines Tages erleben. In der nächsten Saison würde ich gern bei der WM in Oberhof antreten, also muss ich einer der vier besten Franzosen werden. Ich muss meine Fähigkeiten weiter ausbauen, schneller schießen und manchmal mit den Besten der Welt mithalten. Das wird hart, aber auch eine Menge Spaß!“

Berge, Musik und Schach

Auch wenn er viel Zeit beim Training verbringt hat Eric noch Zeit für andere Hobbys. „Ich mache auch sonst gern Sport, vor allem in den Bergen. Ich lebe in Peisey Vallandry, als in den Bergen, und das ist ein sehr ruhiger Ort, an dem ich Kraft schöpfen kann. Ich spiele gerne Klavier – nicht gut, aber ich gebe mein Bestes. Und ich spiele auch gern Schach. Das ist gutes Mentaltraining.“

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