Welche Rolle spielen die Olympischen Winterspiele auf dem Weg zur Gleichstellung der Geschlechter im Biathlon?
Biathlon gilt als einer der Vorreiter in Sachen Gleichstellung der Geschlechter im Sport. Frauen treten in denselben Wettbewerben an denselben Austragungsorten an, erhalten das gleiche Preisgeld und werden in gleichem Maße im Fernsehen übertragen. Das war jedoch nicht immer so. Die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen legte den Grundstein dafür, dass Sportlerinnen in ihrer Sportart Gleichberechtigung erlangten.
Uschi Disl, Kati Wilhelm, Anastasiya Kuzmina, Darya Domracheva und Marte Olsbu Roeiseland: Diese Biathletinnen haben olympische Geschichte geschrieben. Sie sind mehrfache Olympiasiegerinnen im Biathlon und gehören zu den erfolgreichsten Wintersportlerinnen ihrer Länder. Doch der Weg zu dieser Anerkennung war lang.
Allen Widrigkeiten zum Trotz
Während Biathlon bei den Männern bereits in den 1970er Jahren etabliert war, kämpften die Frauen noch um Anerkennung. Alexander Tikhonov, Olympiasieger im Biathlon und ehemaliger Vizepräsident der IBU, sagte 1979: „Biathlon ist ein Männersport“, obwohl es in Russland, Skandinavien und der Tschechoslowakei bereits Frauen gab, die mit Gewehren schossen.
Die Umstellung von großkalibrigen auf kleinkalibrige Gewehre, die bis heute verwendet werden, machte den Sport 1977 für Frauen attraktiver. Disl war eine der ersten Frauen, die in Deutschland mit dem Biathlon begann. Als sie im Winter 1986/87 vom Skilanglauf zum Biathlon wechselte, wurden sie und andere Pionierinnen des Sports als „Schrotflintenfrauen“ bezeichnet. Anfangs trainierte sie mit den Männern und wurde oft wegen ihrer Frisur oder ihrer Figur verspottet.
Erst 1980 verabschiedete der Biathlonverband auf seinem Kongress in Sarajevo Regeln für Frauenwettbewerbe. Der erste internationale Frauenwettkampf fand dann 1981 in Jáchymov in der damaligen Tschechoslowakei statt.
Einführung des Weltcups und Olympia-Debüt
Die ersten Weltmeisterschaften der Frauen fanden 1984 in Chamonix statt. Die Frauenwettkämpfe wurden zeitgleich mit den Juniorenwettbewerben ausgetragen, die bis 1988 getrennt von denen der Männer stattfanden. Seit 1989 werden die Weltmeisterschaften der Frauen zusammen mit den Männerwettkämpfen ausgetragen. Mit dem Weltcup, der seit 1987 ausgetragen wird, wurden Frauen in den Biathlonsport integriert.
In Albertville wurden 1992 erstmals Biathlonwettkämpfe für Frauen in das Programm der Olympischen Spiele aufgenommen – 32 Jahre nach den ersten Biathlonwettkämpfen der Männer. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen gab dem Biathlonsport für Frauen einen Schub und zog gleichzeitig die Aufmerksamkeit der Gesellschaft und der Medien auf sich.
Gleiche Rechte für alle
Seitdem gelten alle Entscheidungen der IBU gleichermaßen für Männer und Frauen. Weltcup-Veranstaltungen finden am selben Ort statt, und neue Rennformate werden für beide Geschlechter konzipiert. Seit der Saison 1995/96 zahlt der Verband gleiche Preisgelder an Athletinnen und Athleten.
Um Frauen und Männer noch näher zusammenzubringen, wurden seit der Saison 2004/05 Mixed-Staffeln eingeführt. Mit dieser Strategie gilt der Biathlon als Vorbild für andere Sportarten, in denen Frauen noch nicht als gleichberechtigt anerkannt sind. So werden wir auch in Antholz 2026 Olympiasiegerinnen im Biathlon sehen, die die Geschichte dieses Sports weiterschreiben und junge Mädchen dazu inspirieren werden, mit dem Biathlon anzufangen.
Fotos: IBU