Burdet, Cheftrainer der französischen Frauen: „Ich bin mir sicher, da ist noch mehr drin“

Cyril Burdet trat 2022 als neuer Cheftrainer der französischen Frauenmannschaft an und führte das Team gleich im ersten Winter zum ersten Nationencup-Sieg seit 27 Jahren. Die französischen Frauen waren schon immer eine feste Größe, doch unter seiner Führung haben sie sich unbestreitbar als dominante Favoritinnen im Biathlon etabliert.

Medaillen und Kristallkugeln

Mit der letzten Saison endete sein erster Olympia-Zyklus, gekrönt von acht Medaillen für die Französinnen: Gold in Einzel, Massenstart, Staffel und gemischter Staffel, dazu dreimal Silber und einmal Bronze. Als Zugaben gab es den Weltcup-Gesamtsieg plus Disziplinsiege in Sprint, Verfolgung und Einzel für Lou Jeanmonnot und den Disziplinsieg im Massenstart für Julia Simon, außerdem noch den Sieg in der Staffelwertung für die Mannschaft. Der einzige „Makel“: Schweden gewann die Nationenwertung mit 6956 Punkten vor Frankreich mit 6920.

Ein beachtliches Ergebnis, wenn man bedenkt, dass Burdet lange Jahre auf regionaler Ebene Langlauftrainer und in den 8 Jahren vor seinem Wechsel zum Biathlon Trainer der französischen Langlauf-Sprinter gewesen war. Ganz ahnungslos war Burdet in Sachen Biathlon allerdings nicht. „Bis ich 20 war, war ich selber fünf Jahre lang aktiver Biathlet und bin bei den Juniorenweltmeisterschaften 1997 angetreten (Platz 22 im Einzel). Also kenne ich den Sport und habe auch die Rennen verfolgt.“

Vom Langlauf für Männer zu Biathlon für Frauen

Beim Wechsel zum Biathlon war vieles neu und manches vertraut, war doch Schießtrainer Jean-Paul Giachino einer der Sportler, die Burdet in seiner Jugend bewundert hatte. Burdet war sich der Herausforderungen bewusst: „Ich hatte vorher Sprinter trainiert, und jetzt waren die Distanzen ganz anders, wie auch die physiologischen Veränderungen. Biathlon-Training für Frauen ist auch anders als Langlauf-Training für Männer, körperlich wie emotional. Die ersten Monate waren nicht leicht. Ich war es gewohnt, harte Trainingseinheiten anzusetzen, und dann sagte Polo: ‚Vergiss nicht, dass man sich am Schießstand konzentrieren können muss.‘ Also musste ich den Härtegrad etwas zurückschrauben!“

„Mit den individuellen Stärken arbeiten“

Burdet erklärt, dass ihm mentales Training und Persönlichkeitsentwicklung genauso wichtig sind wie das körperliche Training. „In erster Linie will ich ihnen helfen, auf den Skiern schneller zu werden, aber ich muss auch im Blick haben, was im Team insgesamt läuft. Ich spreche mit jeder von ihnen über die körperlichen, aber auch über die emotionalen Aspekte des Trainings. Ich mag auch diese intellektuellen Anteile. Die kosten Zeit und Kraft, aber das gehört eben dazu.“

Burdet hat ein Talent dafür, aus bereits erfolgreichen Sportlerinnen noch mehr herauszuholen. „Mein Ansatz ist, mit den individuellen Stärken der Athletinnen zu arbeiten. Die sind das Fundament. Dann schaue ich auf Verbesserungspotentiale, und die sind bei jeder Sportlerin anders gelagert. Manche haben am Schießstand noch viel Wachstumspotential, andere auf der Strecke. Biathlon ist eine Komplexleistung aus vielen verschiedenen Teilen. Das Ziel ist, für jede einzelne Athletin herauszufinden, wie sie sich verbessern kann.“

„Sie wollen alle ganz nach oben“

Eines der Erfolgsrezepte der Mannschaft ist es, dass erfolgreiche Athletinnen aus dem IBU Cup wie Jeanmonnot und Oceane Michelon auch im Weltcup schnell Erfolge einfahren. „Da spielen viele Faktoren zusammen, da gibt es nicht den einen Trick. Klar, wenn man herkommt und dreizehn Athletinnen im A- und B-Kader sieht, weiß man, dass man sehr schnell laufen und sehr gut schießen muss. Sie wissen alle, dass man sehr gut sein muss, um es in den Weltcup zu schaffen, und dass man jede Woche vorn mitlaufen muss, wenn man dort bleiben will. Was uns als Mannschaft ausmacht – einschließlich der Trainer und Techniker – ist der Ehrgeiz, immer besser zu werden. Das spürt man auch in der Gruppe, und das schlägt sich auch auf die Sportlerinnen nieder. Wir haben auch großes Glück mit einer guten Generation von Sportlerinnen, die wissen, was sie wollen, und sie wollen alle ganz nach oben.“

Zu diesem Erfolg trägt nicht zuletzt bei, dass von den lokalen Vereinen bis hoch in den Weltcup jetzt alle an einem Strang ziehen. Natürlich haben jede Trainerin und jeder Trainer einen eigenen Plan, aber wir arbeiten auf ein gemeinsames Ziel hin.“

„Ich bin mir sicher, da ist noch mehr drin“

Die nächste Saison wird anders werden, aber „wie das laufen wird, das weiß ich noch nicht. Das ist Teil der Herausforderung. Wir sind erfolgreich, aber ich bin mir sicher, da ist noch mehr drin, nicht nur während der Rennen. Die Sportlerinnen sind auf der Suche nach individuellem Verbesserungspotential. Wir haben ein paar ganz junge Talente dabei, und es wird spannend zu sehen, wie sie die etwas erfahreneren Athletinnen herausfordern, die all das haben, was der Nachwuchs noch erreichen will. Das dürfte sehr interessant werden, wie das ausgeht.“

„In diesem Jahr braucht es gute Führungsarbeit. Wir fangen nicht bei Null an, weil wir vieles schon gemacht haben. Es ist aber ein Neuanfang, denn es wäre ein Trugschluss zu glauben, dass wir mit den gleichen Methoden die gleichen Resultate einfahren können. Wir haben jetzt also ein Jahr Zeit um herauszufinden, was wir tun müssen, um noch erfolgreicher zu werden.

„Jedes Rennen steht für sich. Man kann einmal gewinnen und beim nächsten Mal läuft es schlechter. Man ist nie fertig. Wer glaubt, dass er sich nicht mehr verbessern kann, der irrt sich!“

Fotos: IBU/Vianney Thibaut, Nordic Focus/Manzoni, Authamayou

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