Fünf brennende Fragen an Paula Botet
Vor 14 Monaten stand Paula Botet ganz oben: Nach fehlerfreiem Schießen gewann sie den Sprint beim Weltcup in Oberhof. Im letzten November allerdings musste sie enttäuscht erfahren, dass sie nicht für das Weltcup-Team eingeplant ist und stattdessen im IBU-Cup startet. Vier Monate später kann sie wieder strahlen. Die 25-Jährige hat sich gerade die Gesamtwertung im IBU-Cup gesichert und beim letzten IBU-Cup-Wochenende in Lake Placid die Disziplinwertungen in Sprint und Verfolgung für sich entschieden. Damit nimmt sie drei begehrte Trophäen mit zurück nach Frankreich.
Vielleicht hatte die Französin nicht die Saison, von der sie im vergangenen Sommer geträumt hat, aber mit sechs Siegen im IBU-Cup und drei wunderschönen Trophäen im Gepäck ist der Winter für das aufstrebende Biathlon-Talent doch versöhnlich verlaufen. Nachdem sie die Kristallkugel für die IBU-Cup-Gesamtwertung überreicht bekam, beantwortete sie unsere fünf brennenden Fragen sowie eine Bonusfrage zu ihrer Zeit in den USA.
Biathlonworld (BW): Wie hat es sich angefühlt, die meiste Zeit in der Saison das grüne Trikot der Führenden im IBU-Cup zu tragen und dann in fast jedem Rennen von den eigenen Teamkolleginnen gejagt zu werden?
Paula Botet (PB): Mein erstes Rennen im grünen Dress in Obertilliach verlief nicht so gut, daher war ich am Anfang ziemlich enttäuscht. Als ich das Leibchen in Ridnaun zurückgewonnen habe, hat es mir im Wettkampf zusätzliche Motivation verliehen und ich konnte eine gute Leistung zeigen. Am Arber hätte ich nicht gedacht, es so schnell zurückzuholen, aber ich habe mich natürlich darüber gefreut. Zum Glück konnte ich bis zur Station in Osrblie einige Punkte sammeln, denn danach war die weitere Saison etwas kompliziert für mich.
Es motiviert mich sehr, Teil dieses Teams zu sein, auch wenn es manchmal eine große Herausforderung ist, eine solche Tiefe im Kader zu haben. Wir pushen uns die ganze Zeit gegenseitig, um uns zu verbessern. Deswegen ist Frankreich im Biathlon meiner Meinung nach so stark. Der interne Leistungsdruck und die gemeinsamen Ambitionen haben definitiv Einfluss auf meinen Sieg in der Gesamtwertung gehabt. BW: Welche Ziele hattest du dir vor dem ersten IBU-Cup in Obertilliach gesteckt?
PB: Mein größtes Ziel war, meine Leidenschaft für den Biathlon wiederzufinden. Nach den Rennen um die Plätze im französischen Weltcup-Team war ich extrem enttäuscht. Für mich lief einfach nichts zusammen. Zu Beginn der Saison wollte ich wieder Spaß am Biathlon haben und die Freude an den Wettkämpfen zurückgewinnen.
BW: Hättest du gedacht, neben der Gesamtwertung auch die Disziplinwertungen in Sprint und Verfolgung zu gewinnen?
PB: Über den Erfolg in der Verfolgung freue ich mich besonders. Er zeigt, welche Fortschritte ich in diesem Winter in Rennen mit vier Schießeinlagen gemacht habe. In der vergangenen Saison hatte ich da meine Probleme. Es ist schön, dass sich die Verbesserungen auch in meinen Ergebnissen zeigen. Der Sprint ist mein Lieblingsformat. Nun konnte ich bereits meine dritte Sprint-Kristallkugel gewinnen. Das macht mich stolz und glücklich. Der Sieg in der Gesamtwertung ist natürlich eine Riesensache. Ich habe gelernt, bis zum Schluss um Punkte zu kämpfen, auch wenn das zum Ende des Winters immer schwieriger geworden ist.
BW: Du trittst in die Fußstapfen von Camille Bened, Océane Michelon und Lou Jeanmonnot. Ist dein nächstes Ziel ein fester Platz im Weltcup?
PB: Natürlich, das war bereits vor diesem Winter mein Ziel. Deshalb war ich nach den Ausscheidungsrennen im November auch so enttäuscht. Ich wollte mir meinen Platz im Weltcup verdienen. Dann hatte ich die Chance, beim Weltcup in Le Grand-Bornand zu starten. Ich hatte auf bessere Ergebnisse gehofft, aber vielleicht haben mich meine eigenen Erwartungen etwas gehemmt. Ich habe mir selbst viel Druck gemacht, das ging nicht gut.
BW: Was ist die wichtigste Erkenntnis, die du aus dieser Saison mitnimmst?
PB: Ich habe viel Herzblut in die Vorbereitung gesteckt, vielleicht ein bisschen zu viel. Am Ende ist es nicht wie erhofft verlaufen. Das war die wichtigste Lektion, die ich in diesem Winter gelernt habe: Man darf ruhig ein bisschen lockerer herangehen und muss nicht immer versuchen, alles zu kontrollieren. Ich darf dem Prozess mehr vertrauen.
Bonusfrage: Du warst nun zwei Wochen in den USA. Was hat dich auf dieser langen Reise am meisten überrascht und was hat dir am besten gefallen?
PB: Ich hätte mir gern ein wenig mehr die Stadt angesehen. Aber ich war sehr müde und habe ehrlich gesagt die meiste Zeit geschlafen und mich erholt. Es war ein langer Trip am Ende einer anstrengenden Saison. Zusammen mit dem Team wollen wir am Samstag zu einem Eishockey-Match gehen. Darauf freue ich mich sehr. Das wird eine gute Gelegenheit, um etwas anderes zu sehen und die Atmosphäre und den amerikanischen Way of Life in Lake Placid ein wenig zu genießen.
Wichtige Erkenntnisse nach einigen Enttäuschungen und viele Spitzenplatzierungen auf dem Podium – so lässt sich die Saison von Paula Botet zusammenfassen. Nun freut sie sich bereits auf den Winter 2026/27.
Fotos: IBU/Vanzetta, Harald Deubert, Nordic Focus