Fünf brennende Fragen für Michal Krčmář
Nur wenige Athleten kommen jemals in den Genuss einer Heimweltmeisterschaft und noch weniger haben das Glück, vor tausenden jubelnden Fans zu Hause auf dem Treppchen zu stehen. Nun hat es auch Michal Krčmář auf diese exklusive Liste geschafft, nachdem er mit einer überragenden Schlussrunde Platz drei in der Mixed-Staffel in Nove Mesto für Tschechien sicherte.
Für Krčmář sind große Biathlonmomente nichts Neues in seiner internationalen Karriere, die mittlerweile 17 Saisons und 383 Weltcupstarts umfasst. Er gewann eine olympische Silbermedaille im Sprint 2018 und führte in der letzten Saison die tschechische Mixed-Staffel bestehend aus Jessica Jislova, Tereza Vobornikova und Vitezslav Hornig zu WM-Silber. Doch die unglaubliche Schlussrunde des Biathlonveteranen am Samstag vor heimischem Publikum gefolgt von Podiumsbildern mit seiner Mannschaft und Familie war einfach unbezahlbar!
Nach seinem zehnten Platz im Massenstart von Nove Mesto am Sonntag beantwortete uns Krčmář fünf brennende Fragen und erzählte uns, wie er am Samstagabend gefeiert hat.
Biathlonworld: Sie sind immer der Schlussläufer in der Mixed-Staffel, aber hatten sie dieses Mal Nervenflattern am Wechsel, als ein Treppchenplatz zum Greifen nah war?
Michal Krčmář: Wenn man gleich an der Reihe ist, dann macht einen das nervös. Und je weiter vorn deine Teamkollegen sind, desto größer wird der Druck. Ich war sehr nervös, aber glücklicherweise konnte ich das schon in der ersten Runde abschütteln und habe mich dann nur auf das Rennen konzentriert.
BW: Wie sicher waren Sie nach dem Stehendschießen, dass Sie einen Topathleten einholen können, der erst 10 Jahre alt war, als Sie zum ersten Mal im Weltcup gestartet sind?
MK: Mein Plan war es, bis zum letzten Anstieg zu warten. Ich habe auf meine Fähigkeiten vertraut, aber gleichzeitig habe ich es auch nicht unterschätzt. Ich wusste, es würde ein harter Kampf werden. Maxime ist kein leichter Gegner. Er hat einige starke Wettkämpfe in dieser Saison abgeliefert und im Einzel ein super Ergebnis erzielt. Maxime und Campbell machen das US-Team sehr stark. Ich war also in Alarmbereitschaft und habe nicht erwartet, dass vor dem Ziel schon eine Entscheidung fallen könnte.
BW: Woher kam Ihr unglaublicher Energieschub am Anstieg? Haben die Fans Ihnen eine extra Dosis Adrenalin beschert?
MK: Es war eine Kombination aus zwei Dingen. Seit Anfang Januar fühle ich mich sehr stark auf der Schlussrunde und kann meine Geschwindigkeit noch erhöhen. Und dann waren da natürlich die Fans… Das hilft deinem Körper dort draußen auf der Strecke. Es verleiht dir einen riesigen Energieschub.
BW: Hätten Sie sich zu Beginn Ihrer Karriere vorstellen können, dass einmal so viele enthusiastische Biathlonfans in Tschechien Ihren Sport verfolgen?
MK: Als ich mit Profibiathlon begann, wurde der Sport hier bereits langsam populär. Aber als Jugendathlet musste ich den Leuten im Zug immer erklären, was Biathlon eigentlich war. Sie dachten, ich würde Radfahren und Laufen – also Duathlon betreiben. Für mich waren also Massen wie diese unvorstellbar. Ich bin sehr dankbar, dass ich in einer Zeit aufwachsen durfte, in der der Sport noch unbekannt war. So kann ich Momente wie diesen noch mehr genießen.
BW: Wie viel Spaß hatten Sie auf den letzten hundert Metern? Sie haben mit den Fans gefeiert und den wahrscheinlich denkwürdigsten Zieleinlauf ihrer 383 Weltcupstarts erlebt.
MK: Zweifellos war es der beste Zieleinlauf in meiner Karriere. Ehrlich, ich war froh, dass ich bereits am letzten Anstieg die Entscheidung erzwungen hatte und die letzten Meter genießen konnte. Das kann man kaum in Worte fassen. An dieses Gefühl werde ich mich mein ganzes Leben lang erinnern!
Biathlonworld Bonus: Ihr Team scheint im Weltcuprummel immer viel Spaß zu haben. Wie haben Sie Samstagabend gefeiert?
MK: Ich habe gefeiert, indem ich nach Hause gegangen bin, die Kinder mit meiner Frau ins Bett gebracht habe und danach unter die Dusche und ins Bett gegangen bin, um bereit für den Massenstart am Sonntag zu sein. Ich habe versucht, meine Emotionen so gut es ging zu unterdrücken und mich auf den nächsten Tag zu konzentrieren. Die Rennen finden hintereinander statt, also kann man eigentlich nichts anderes machen. Ich liebe tschechisches Bier, aber ich muss noch bis April darauf warten!
Mit den Erinnerungen an ein fantastisches Wochenende in Nove Mesto na Morave reist der 35-jährige Michal Krčmář zu seinen vierten Olympischen Spielen im kommenden Monat, um vielleicht noch mehr denkwürdige Zieleinläufe zu erleben.
Fotos: IBU/Svoboda, Yevenko, Nordic Focus