Fünf brennende Fragen an Gaetan Paturel
Nach einer verpassten Chance, im November letzten Jahres in Geilo auf Weltcup-Niveau anzutreten, ging es für Gaetan Paturel in den IBU Cup. In der ersten Woche reichte es nur für zweistellige Ergebnisse. Bis zum Saisonende im IBU Cup letzte Woche hatte sich Paturel allerdings bis an die Spitze vorgearbeitet und gewann nicht nur die Gesamtwertung im IBU Cup, sondern auch Sprintwertung und Verfolgungswertung.
Paturel hat in dieser Saison eine beachtliche Entwicklung hingelegt. Zwischen seinem ersten Podestplatz im IBU Cup am 20. Dezember in Lenzerheide und seinem ersten Sieg im IBU Cup in Sjusjoen 40 Tage später verbesserte er sich in der Gesamtwertung von Rang 9 auf Rang 2, nur noch 3 Punkte hinter dem seinerzeit führenden Träger des grünen Trikots, Damien Levet. Mit einem 4. Platz im Kurz-Einzel von Lake Placid setzte der 22-Jährige sich an die Spitze, ein fehlerfreier Sprintsieg 6 Tage später macht den Sieg in der Gesamtwertung perfekt.
Nachdem er ein paar Tage die Füße hochgelegt hat, um das Ausmaß seines Erfolgs auf sich wirken zu lassen, beantwortete Paturel unsere fünf brennenden Fragen und eine Bonusfrage zu seinem Gastspiel am Biathlon-Austragungsort der Winterspiele 1980, Lake Placid in den USA.
Biathlonworld: Was waren deine Ziele vor dieser ersten Saison, in der du nicht mehr bei den Junioren antrittst?
Gaetan Paturel: Zu Beginn der Saison und nach einem ziemlich erfolgreichen letzten Jahr als Junior im IBU Cup war mein Ziel, erste Podestplätze im IBU Cup zu holen und in den Weltcup aufzusteigen. Zum Ende der Saison habe ich mein Soll jetzt mehr als erfüllt, und was ich erreicht habe, übertrifft all meine Erwartungen. Ich habe erste Podestplätze eingefahren und vor allem sogar erste Rennen im IBU Cup gewinnen können, was mir vielleicht einen Startplatz beim Weltcup in Oslo verschaffen wird! Das ist einfach perfekt!
BW: Du hast ab Lenzerheide richtig Fahrt aufgenommen. Ist dir da langsam klar geworden, dass du eine Chance haben könntest, du Gesamtwertung zu gewinnen?
GP: Ich habe ab Lenzerheide richtig gute Ergebnisse abgeliefert. Zu dem Zeitpunkt habe ich noch gar nicht an die Gesamtwertung gedacht, weil ich noch relativ weit hinten lag. Ich habe mich dann bis Sjusjøen weiter gut durchgekämpft, dort meine erste EM-Einzelmedaille gewonnen und in der Folgewoche den ersten Sieg geholt. Nach dem Sieg ist mir dann klar geworden, dass die Führung in der Gesamtwertung gar nicht mehr so unerreichbar ist. Als ich dann das Trikot des Führenden übergestreift habe, habe ich mir gesagt, dass ich diese Wertung gewinnen will und kann. Dann habe ich alles darangesetzt, und ich habe es geschafft!
Biathlonworld: Kannst du schon wirklich glauben, dass du die Gesamtwertung und die kleinen Kugeln für Sprint und Verfolgung gewonnen hast, oder fühlt es sich immer noch an wie ein Traum?
GP: So richtig habe ich das immer noch nicht begriffen. Ich bin immer noch voll konzentriert auf meine Saison, bereite mich auf das vor, was als Nächstes ansteht und habe noch keine Zeit gehabt, das alles so richtig zu verarbeiten. Und ich habe ja die Kugeln auch noch nicht. Ich glaube, wenn ich sie in den Händen halte, wird das anders sein, dann werde ich wohl begreifen, was mir da gelungen ist!
BW: Was ist das für ein Gefühl, als erster Franzose die Gesamtwertung im IBU Cup zu gewinnen?
GP: Ganz ehrlich, darüber hatte ich vorher noch gar nicht nachgedacht. Als ich die Wertung dann gewonnen hatte, ist mir auch klargeworden, dass ich jetzt der erste Franzose bin, der die Gesamtwertung im IBU Cup gewonnen hat. Es ändert im Grunde nichts an meiner Leistung, aber das macht mich nochmal besonders stolz, denn man bleibt ja für immer der Erste, der etwas erreicht hat, deswegen freut mich das!
BW: Welche Lektion hast du in dieser Saison gelernt?
GP: Die größte Lektion, die ich gelernt habe, ist die Rennen zu genießen, zu lächeln, Freude an der Sache zu haben, und das losgelöst vom Ergebnis, einfach weil ich den Sport liebe. Der Saisonstart war für mich schwierig und schlechter als erwartet. Das war wirklich ein Tiefpunkt, und in der Situation habe ich dann gelernt, alles zu genießen. Auf den Skiern zu stehen, an der Waffe, das zu genießen, ohne über das Ergebnis nachzudenken. Ich bin sehr stolz, dass ich diesen Umgang damit gelernt habe. Ich glaube, auch deswegen ist mir all das gelungen, was ich jetzt geschafft habe.
Biathlonworld Bonusfrage: Neben den vielen Kristallkugeln, die du mitbringst, was genießt du in Lake Placid und den USA am meisten?
GP: Mir hat es viel Spaß gemacht, einen neuen Austragungsort kennenzulernen, eine neue Kultur, eine neue Gegend. Es ist hier ganz anders als zuhause, und es stimmt, dass es neuen Schwung bringt, wenn man auf einer unbekannten Strecke läuft. Mir hat es auch enorm Spaß gemacht, mit der ganzen Mannschaft auf dem See Eishockey zu spielen, das war wirklich klasse!
Paturels beeindruckende Saison ist noch nicht zu Ende. Nächste Woche steht sein Weltcup-Debüt in Oslo an, ein krönender Abschluss für eine Saison, die mit einer verpassten Chance im November begann und die Weichen für die nächste Phase seiner vielversprechenden Karriere stellt.
Fotos: IBU/Vanzetta, Harald Deubert, Nordic Focus