Fünf brennende Fragen für Anna Gandler
Das vergangene Wochenende war ein großer Erfolg für Anna Gandler. Am Freitag gewann sie bei den Österreichischen Sommermeisterschaften den Einzel über 12,5km mit 18 von 20 Treffern. Am Sonntag zeigte sie beim City Biathlon Dresden erneut eine herausragende Schießleistung, flog über die Schlussrunde und landete noch vor der Verfolgungsolympiasiegerin Lisa Vittozzi auf Rang zwei.
Nach einer Olympiasaison, die weit hinter ihren Erwartungen und ihrem eigenen Anspruch zurückgeblieben war, hat Gandler die Wende geschafft und zählt wieder zu den aufstrebenden Stars im Biathlon. Nach ihrer Rückkehr aus Dresden beantwortete sie unsere fünf brennenden Fragen – plus eine Bonusfrage zu ihrem französischen Sommer-Zwischenspiel.
Biathlonworld: Sie hatten ein ziemlich starkes Wochenende: ein Sieg bei den Österreichischen Meisterschaften und Platz zwei in Dresden. Was bedeutet das für Ihr Selbstvertrauen?
Anna Gandler: Ich muss zugeben, dass ich nach dieser Olympiasaison wirklich enttäuscht und an einem Punkt angekommen war, an dem ich alles infrage gestellt habe. Selbst kleine Erfolge wie diese geben einem einen unglaublichen Motivations- und Selbstvertrauensschub. Das war für mich sehr wichtig. Meine Vorbereitung ist bisher nach Plan verlaufen und ich wusste, dass ich gut trainiert hatte. Trotzdem hat es mich überrascht, schon jetzt in einer so guten Form zu sein – vor allem, weil mir noch einige der härteren Trainingseinheiten fehlen. Deshalb denke ich, dass ich mich noch weiter steigern kann. Aber das Ergebnis hat mir gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin und dass sich die harte Arbeit auszahlt.
BW: Wie war die Schlussrunde, als Sie sich auf Platz zwei vorgearbeitet und Lisa hinter sich gelassen haben?
AG: Ich hatte Angst, dass ich zu früh angegriffen habe. Aber ich wollte diesen Platz unbedingt, also habe ich meine ganze Kraft hineingelegt. Es war wirklich stressig und das Adrenalin hat eingesetzt, aber ich bin froh, dass ich den zweiten Platz bis ins Ziel bringen konnte.
BW: Vor ein paar Wochen in Blink waren Sie noch nicht in Bestform. Was hat sich seitdem körperlich oder mental verändert?
AG: In Blink war ich wirklich gestresst. Außerdem hatte ich einige Veränderungen an meinem Gewehr vorgenommen und fühlte mich damit noch nicht 100-prozentig wohl, besonders bei den Show-Events, bei denen man sehr schnell schießen muss.
Aber ich habe aus dieser Erfahrung viel gelernt und versucht, es bei den Österreichischen Meisterschaften und in Dresden umzusetzen. Es gibt noch Luft nach oben, aber ich habe ja noch etwas Zeit, bevor die Wintersaison beginnt.
BW: Wie fühlt es sich nach der schwierigen Saison im vergangenen Jahr an, wieder um Treppchenplätze zu kämpfen?
AG: Es ist definitiv ein kleiner Erfolg, aber ich möchte nicht zu viel hineininterpretieren. Jeder Athlet kommt aus einer anderen Phase der Vorbereitung zu einem solchen Wettkampf, und niemand bereitet sich auf ein Show-Event genauso vor wie auf einen Weltcup. Vor allem gibt es mir Selbstvertrauen und Motivation für das kommende Training. Und es ist beruhigend zu wissen, dass ich mit den Besten mithalten kann.
BW: Sie haben den Sommer in Frankreich verbracht. Hatten Sie das Gefühl, Sie haben härter trainiert hast als zuvor, da Sie weniger Ablenkung hatten als zu Hause?
AG: Ich würde sagen, an meinem Training hat sich nicht viel verändert. Aber ich bin gesund geblieben und konnte den Trainingsplan vollständig umsetzen. Außerdem ist die Infrastruktur für Biathleten in Frankreich perfekt. Die Rollerskistrecke, der Schießstand und der Kraftraum sind innerhalb von fünf Minuten erreichbar. Das spart viel Zeit und macht den Trainingsprozess viel effizienter.
Biathlonworld Bonusfrage: Was hat Ihnen – abgesehen von ein paar Extra-Stopps in der Patisserie und der Tatsache, dass Sie den Sommer mit Emilien verbringen konnten – in Frankreich am besten gefallen?
AG: Ich liebe es, dort stundenlang auf Rollerskiern auf den Straßen unterwegs zu sein. In Österreich ist das nicht erlaubt, aber dort kann man stundenlang auf fast völlig menschenleeren Straßen Rollerski fahren. Ich habe auch viele tolle neue Menschen kennengelernt und wertvolle Erfahrungen gesammelt. Dafür bin ich sehr dankbar.
Das Training für die neue Saison ist noch lange nicht abgeschlossen und natürlich bleibt immer Luft nach oben. Dennoch scheint Anna Gandler nach diesem Wochenende bereit für ein neues Erfolgskapitel in ihrer Biathlonkarriere in der Saison 2026/27.
Fotos: IBU/Yevenko, Nordic Focus