Fünf brennende Fragen an Lou Jeanmonnot

Wie sehr sich die Welt innerhalb eines Jahres verändern kann, hat Lou Jeanmonnot gerade erst erfahren. Vor zwölf Monaten lieferte sich die Französin bis zum Schluss einen packenden Kampf um den Gesamtweltcup mit Franziska Preuß. Durch einen Sturz in der letzten Kurve am Holmenkollen musste sie ihre Hoffnungen auf die Große Kristallkugel jedoch begraben und wurde am Ende mit 20 Punkten Rückstand auf die Deutsche hauchdünn Zweite. Am vergangenen Wochenende strahlte Lou Jeanmonnot indes über beide Ohren und durfte die begehrte Trophäe endlich in Händen halten. Bei ihrem Sieg in der Weltcup-Gesamtwertung hatte sie am Ende über 200 Zähler Vorsprung.

Nachdem sie zwei Jahre in Folge Platz zwei in der Gesamtwertung erreicht hatte, avancierte Lou Jeanmonnot in diesem Winter zur besten Biathletin der Saison. Dabei sicherte sie sich auch die Disziplinwertungen im Einzel, im Sprint und in der Verfolgung. Gefühlt hat sie lange auf ihren großen Erfolg warten müssen, doch bei genauerer Betrachtung hat die Französin einen steilen Aufstieg hingelegt. Ihr Erfolgsrezept: hoch konzentriertes Schießen, stetige Verbesserung in der Loipe und absolute Entschlossenheit. Die Gesamtsiegerin im IBU-Junior-Cup 2018 sicherte sich vier Jahre später die Gesamtwertung im IBU-Cup und wurde daraufhin in den Weltcup berufen, wo sie in ihrer zweiten und dritten vollständigen Saison jeweils Platz zwei in der Gesamtwertung einnahm. Nun also der Sprung ganz nach oben.

Nachdem sie die Große und die kleinen Kristallkugeln erstmals in Händen halten durfte, nahm sich Lou Jeanmonnot Zeit für unsere fünf brennenden Fragen und eine Bonusfrage zu ihren Plänen nach Saisonende.

Biathlonworld (BW): Ein Jahr nach dem hochdramatischen Saisonfinale darfst du endlich die Große Kristallkugel in Händen halten. Spürst du eine Art Erleichterung?

Lou Jeanmonnot (LJ): Im letzten Jahr war ich ehrlich gesagt nicht enttäuscht. Vielmehr fand ich es cool, dass ich bis zum Schluss mit Franzi, die den ganzen Winter überaus stark war, um die Gesamtwertung mitkämpfen konnte. Für mich war das ein Teil des Prozesses. Nach meinen beiden zweiten Plätzen in der Gesamtwertung ist der Titel nun der nächste Schritt. Für mich zählt eher, in jedem Winter neue Fähigkeiten und Qualitäten zu entwickeln. In diesem Jahr hat es für den großen Coup gereicht.

BW: Wie stressig war die Saison für dich, auch angesichts der Olympischen Spiele und der großen Erwartungshaltung in Bezug auf die Gesamtwertung?

LJ: Die Saison war schon sehr anstrengend. Vor allem emotional hat sie sehr geschlaucht. Es war ein Wechselbad der Gefühle, mit Freude, Leid, manchmal auch Enttäuschung. Dann wieder Training, Schmerzen im Training und die Erwartungen von Freunden und Familie. Unterm Strich habe ich jetzt erstmal genug. Es ist zwar noch nicht ganz vorbei, aber auf jeden Fall wird es nun ruhiger. Dadurch fühle ich mich besser.

BW: Was war neben dem Gewinn der Weltcup-Gesamtwertung dein ganz persönliches Highlight in diesem Winter.

LJ: Ich schwanke zwischen Olympia und Le Grand Bornand. Ich habe mich sehr auf Le Grand Bornand gefreut, weil ich dort vor zwei Jahren einige Probleme hatte. Es war eine ziemliche Tortur. Vor heimischer Kulisse, vor vielen Freunden und Familienangehörigen wollte ich mich unbedingt von meiner besten Seite zeigen. Das ist mir nun gelungen. Das erfüllt mich mit dem größten Stolz. Natürlich waren auch die Olympischen Spiele eine fantastische Erfahrung, aber es hat sich nicht so krass angefühlt, wie ich gedacht hätte. Wir waren ziemlich abgeschirmt. Wir waren die ganze Zeit allein, nur mit den Medien. Hier in Oslo ist es besser. Hier fühle ich mich eher zu Hause und es ist schön, dass Leute um mich herum sind, die ich gut kenne. Das mag ich.

BW: Nun stehst du ganz oben. Was war für dich das Schwierigste auf dem Weg dorthin?

LJ: Das Schwierigste in all den Jahren war für mich, mit meinem Körper umzugehen und damit, wie andere darüber denken. Ich musste Selbstvertrauen in meine Fähigkeiten und meinen Körper entwickeln. Jetzt bin ich froh, dass ich beides habe. Als Biathletin ist das super, aber noch schöner ist es als Mensch.

BW: Gibt es etwas, das in dieser Saison hätte noch besser laufen können?

LJ: Kontiolahti! (lacht) Auch der Saisonstart in Östersund hätte besser sein können. Ich wollte so viele Dinge im Blick behalten und alles unter Kontrolle haben, das wurde am Ende zu viel. Dieser Rucksack war am Ende zu schwer und hat mich verkrampfen lassen. So kann ich im Biathlon nicht mein Bestes geben. Östersund und Kontiolahti hätten also besser laufen können. Die Ergebnisse waren in diesem Jahr nicht so gut wie im Vorwinter, aber meine Leistung in Drucksituationen hat sich verbessert. Darauf bin ich stolz. Damit meine ich nicht die Ergebnisse an sich, sondern eher die Konstanz.

Bonusfrage: Welche drei Dinge wirst du zuerst machen, wenn du nach Saisonende – wahrscheinlich nach den Französischen Meisterschaften – wieder zu Hause bist?

LJ: Ich liebe es, einfach drauflos zu trainieren, ohne mir Gedanken über das Pensum oder die Ausdauerleistung zu machen. Ich will einfach die Natur und meine Freizeit genießen. Meine Freunde lieben das auch. Pünktlichkeit ist nicht so mein Ding, ich komme immer zu spät! Ich liebe es auch, in der Sonne zu entspannen. Keine Kälte, keine Schmerzen in den Beinen. Und ich werde viel Zeit mit meinen Freunden verbringen.

Aus Oslo reiste Jeanmonnot mit dem Titel ab, den sie im Vorjahr knapp verpasst hatte. Nun wird sie sich erholen, neue Energie tanken und sich dann neue Ziele für den kommenden Winter setzen – und vielleicht auch wieder ein Wörtchen um die Weltcup-Gesamtwertung mitreden.

Fotos: IBU/ Nordnes, Yevenko, Nordic Focus

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