Fünf brennende Fragen an Eric Perrot

Am vergangenen Wochenende erfüllte sich Eric Perrot nach viel harter Arbeit und Vorbereitung einen großen Traum: Er gewann die große Kristallkugel für den Sieg im Gesamtweltcup. Er hatte mit einem harten Kampf bis zum Schluss gerechnet, doch nach Tommy Giacomels vorzeitigem Ausstieg mit Herzproblemen war es ein Durchmarsch für Perrot, der schon im letzten Sommer gesagt hatte: „Das ist mein Traum, mein großes Ziel. Ich glaube, in diesem Winter kann es klappen.“ Jetzt kann er sagen: „Ziel erreicht, Auftrag ausgeführt.“

Schon zu Saisonbeginn wurde der 24-Jährige als der größte Herausforderer des Gesamtweltcupsiegers von 2025 Sturla Holm Lägreid gehandelt. Lägreid sagte über seinen jungen Rivalen, er sei „ein junger, starker Typ, der im Grunde alles hat, was man braucht. Das wird ein harter Gegner...“ Seine atemberaubend schnellen Trefferserien, seine enorme Laufstärke und sein klarer Fokus waren seine Trumpfkarten in dieser Saison. Anfangs fiel er noch weit zurück, kämpfte er sich bis zur Weihnachtspause aber wieder vor auf Rang zwei. Im Januar büßte Johan-Olav Smoerdal Botn nach dem unerwarteten Tod von Sivert Bakken Punkte ein und musste die Führung an Giacomel abtreten. Perrot schaffte es im dem Massenstart von Nove Mesto, dem italienischen Rivalen das gelbe Trikot abzuluchsen. Nach Giacomels Ausscheiden musste Perrot nur noch den Sieg klarmachen, und dafür reichte sein dritter Platz im Sprint von Oslo.

Als er an diesem Nachmittag die große Kristallkugel endlich überreicht bekommen hatte, beantwortete er unsere fünf brennenden Fragen und eine Bonusfrage zu seinen Plänen nach Saisonende.

Biathlonworld: Wie fühlte sich an, jetzt endlich die große Kristallkugel für die Gesamtwertung gewonnen zu haben?

Eric Perrot: Mir bedeutet das so viel. Es ist völlig verrückt. Ich finde gar nicht die richtigen Worte. Es ist so eine große Sache; darauf arbeite ich hin, seitdem ich bei meinem Verein in Frankreich mit Biathlon angefangen habe. Meine Familie hat viel dazu beigetragen, weil wir eine Biathlon-Familie sind. Ich träume schon so lange davon. Ich habe eine gelbes Trikot von Raphael Poirée zuhause. Ich kenne so viele Geschichten von diesem großen Champion aus der Zeit vor meiner Geburt, weil schon meine Eltern Biathleten waren. Ich habe Johannes Bö laufen sehen und bin gegen Martin Fourcade und Quentin Fillon Maillet angetreten. Es ist für mich also noch schwer zu begreifen, dass ich jetzt Teil dieser Familie bin, einer der großen Namen, und den Gesamtsieg geholt habe. Es ist einfach der helle Wahnsinn, aber ich werde es genießen.

BW: Wie sehr hat dir die Rivalität mit Tommy in den letzten Wochen gefehlt?

EP: Das war sehr traurig als ich mit ihm gesprochen habe und er mir gesagt hat, dass die Saison für ihn vorbei ist. Das habe ich nicht kommen sehen. Es hat eine Weile gedauert bis ich das begriffen und akzeptierte hatte. Dann habe ich mir gesagt: ‚Gut, dann wird der Kampf um die Kristallkugel in diesem Jahr eben einer mit mir selbst.‘ Die Rivalität zwischen uns und auch mit Johan-Olav war zu Beginn der Saison sehr ausgeprägt. Ich kann es kaum erwarten, das in den kommenden Saisons wieder zu erleben.

BW: Gibt es einen Wettkampf, an dass du dich besonders erinnerst und auf den du besonders stolz bist?

EP: Die Winterspiele waren natürlich riesig für mich. Auch in Nove Mesto kurz vor Olympia war ich stark, und in Kontiolahti direkt danach. Das waren zwei wichtige Wochen, in denen ich für das gelbe Trikot viel Boden gutgemacht habe. In dieser Phase so viele Siege einzufahren war für mich wohl das Beste an dieser Saison.

BW: Mit dem ersten Gesamtweltcupsieg in der Tasche, wie viel größer ist da dein Respekt vor Johannes, Martin, Ole und Raphael mit ihren vielen Gesamtsiegen?

EP: Ich habe ohnehin enormen Respekt vor ihnen. Ich wusste auch schon vorher, dass das hart werden würde. Ich wusste, was ich tun muss, um dieses Leistungsniveau zu erreichen. Sie sind immer noch unerreicht, weil sie das so oft geschafft haben. Da liegt noch viel Arbeit vor mir, wenn ich einer von ihnen werden will. Ich habe wirklich großen Respekt vor ihren Leistungen. Mein Ziel ist einfach, meinen Weg weiterzugehen und aus den nächsten Jahre das Beste herauszuholen.

BW: Simon Fourcade sagte bei deinem ersten Trainingslager mit ihm im Mai 2023: ‚Du warst fokussiert und wusstest genau, was du erreichen willst.‘ Hast du jetzt alles erreicht, was du mit 24 erreicht haben wolltest?

EP: Ich bin nah dran. Mein Ziel ist, im Biathlon alles zu gewinnen, was man gewinnen kann. Was mir bislang noch nicht gelungen ist, ist eine Einzel-Goldmedaille bei Olympischen Winterspielen, das ist also noch offen. Der Traum kann auch noch wahr werden, ich kann weiter trainieren und mir diese Chance erarbeiten. Und gleichzeitig habe ich schon so viel Gutes erreicht. Ich bin sehr stolz auf das, was ich heute feiern darf und will versuchen, es zu genießen, bevor ich wieder an die Arbeit gehe.

Biathlonworld Bonus: What will Eric Perrot’s first week at home look like after the season ends?

Biathlonworld-Bonusfrage: Was macht Eric Perrot in der ersten Woche zuhause nach dem Saisonende?

EP: Nach dem Saisonende mache ich viel mit Medien und Partnern. Ich muss das (diesen Erfolg) auch mit all den Menschen teilen, die daran einen Anteil haben. Es ist ein großes Projekt. Ich hätte es ohne die Menschen in meinem Umfeld nicht schaffen können, also werden ich den Erfolg auch mit allen teilen. Dann werde ich mich zuhause einfach ein bisschen ausruhen. Ich bin da ganz unkompliziert. Ich will einfach nur im Bett liegen, zurückdenken und jede Sekunde noch einmal genießen. Ich glaube, die nächsten drei Wochen werden richtig cool. Ich habe das alles sehr genossen.

Und so geht eine weitere Saison zu Ende. Eric Perrot gewinnt die große Kristallkugel für die Gesamtwertung, außerdem die kleinen Kristallkugeln für die Einzel-, Verfolgungs- und Massenstartwertungen und freut sich schon jetzt auf seine nächste Saison.

Fotos: IBU/Manzoni, Yevenko, Nordic Focus

Teile die News!

Header iconAbonniere unseren Newsletter