Estere Volfa: „In dieser Saison war ich erfolgreicher, als ich je für möglich gehalten hätte“

Estere Volfa ist die große Überraschung dieser Weltcupsaison: Sie gewann die Gesamtwertung im IBU Juniorencup, trat bei den Olympischen Winterspielen in Antholz und ist auf dem besten Weg, das neue Gesicht des lettischen Biathlon zu werden. Sie erzählt, warum Biathlon bei ihr Familiensache ist und wie sie mit ihrem Erfolg umgeht.

Nach dem Saisonende brauchte Estere Volfa erst mal ein paar Tage für sich, um abzuschalten, sich zu sammeln und die Erfolge der letzten Monate zu verarbeiten. Sie nahm sich eine Auszeit vom Biathlon, machte mit dem Rennrad Urlaub an der französischen Mittelmeerküste, verbrachte Zeit mit ihren Freunden und konzentrierte sich auf ihr BWL-Studium.

„In dieser Saison war ich erfolgreicher, als ich je für möglich gehalten hätte. Ich habe alle meine Ziele erreicht und sogar übertroffen“, sagt die 21-Jährige. Sie wollte im Weltcup die Top 30 erreichen. Das gelang ihr mit Platz 28 im Einzel gleich beim ersten Weltcup der Saison in Östersund. Bei den Olympischen Winterspielen in Antholz konnte sich die junge Lettin mit Platz 16 im Sprint und Platz 11 in der Verfolgung sogar noch verbessern. In Otepää gelang ihr sogar die erste Top-10-Platzierung mit einem neunten Platz im Sprint. Und dabei lief sie zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch im IBU Juniorencup.

Vor heimischem Publikum abgeräumt

Im Januar 2026 war der IBU Juniorencup in Madona zu Gast, und Estere Volfa wollte bei diesen Heim-Wettkämpfen unbedingt antreten. „Ich bin so jung, dass ich noch viele Weltcuprennen vor mir habe, aber es war meine letzte Saison bei den Juniorinnen. Deswegen wollte ich die Heimrennen mitnehmen.“ Viele lokale Fans wollten das junge Biathlon-Talent live erleben und feuerten sie während der Rennen lautstark an. Der Erwartungsdruck vom Publikum und den Medien schien ihr nichts anhaben zu können, sondern schärfte sogar noch ihren Fokus. Nach einem zweiten Platz im ersten Sprint gewann sie den zweiten Sprint und überquerte auch im Massenstart 60 als erste die Ziellinie, diesmal mit der lettischen Fahne in der Hand. Im Ziel wurde sie von ihrer Mutter Ieva Cederštrēma-Volfa erwartet, die in der sportlichen Karriere der Tochter eine besondere Rolle spielt.

Biathlon als Familientradition

Ieva Cederštrēma-Volfa war selbst erfolgreiche Biathletin und Olympionikin. Sie hat ihre Biathlon-Begeisterung an die Tochter weitergegeben und sie von Anfang an unterstützt. „Wir haben es uns zur Gewohnheit gemacht, dass ich meine Mutter vor und nach jedem Rennen anrufe. Ich bin sehr dankbar, dass ich auf ihre Unterstützung immer zählen kann“, sagt Volfa. Auch mit Elza Bleidele verbindet sie eine enge Freundschaft. Die beiden kennen sich von Kindesbeinen an, sind zusammen in den Profi-Sport gewechselt und gehen diesen Weg gemeinsam. „Wir sind ein bisschen wie ein altes Ehepaar. Wir kennen einander gut, unterstützen einander und verbringen immer viel Zeit zusammen. Ohne Elza hätte ich es nie so weit gebracht. Immer, wenn ich zu faul war zu trainieren, hat sie mich motiviert. Ich hoffe, dass sich ihre harte Arbeit im Biathlon bald auszahlt.“

Für Estere Volfa hat sich die Arbeit mit dem Gesamtsieg im IBU Juniorencup, Weltcup-Starts, der Teilnahme an den Olympischen Winterspielen und drei Medaillen bei den IBU Juniorenweltmeisterschaften 2026 am Arber (Gold im Sprint und der Mixed-Staffel, Silber im Massenstart 60) schon deutlich ausgezahlt. Über die Ziele für ihre Zukunft spricht sie lieber nicht. „Ich glaube, wenn ich die laut ausspreche, dann wird nichts draus. Ich schreibe sie lieber auf. Tagebuch zu schreiben hilft mir dabei, auf Kurs zu bleiben und mich immer weiter zu verbessern.“

Fotos: IBU I Deubert

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