„Es gibt nichts Besseres als einen Wettkampf“ – Deutschlands neuer Nachwuchstrainer Lesser über Dresden und seine Ambitionen

Seit Mai 2026 trainiert Erik Lesser die nächste Generation deutscher Biathletinnen. Der ehemalige Weltklasse-Biathlet möchte seine Erfahrungen an die kommenden Generationen weitergeben. Der City Biathlon in Dresden an diesem Wochenende ist der erste Wettkampf, bei dem er als Bundestrainer am Schießstand stehen wird. Vor dem Start der Veranstaltung sprach er mit Biathlonworld.

Biathlonworld: Erik, deine Rolle als Trainer der deutschen Juniorinnen ist der nächste Schritt in deiner Karriere. Was gefällt dir an der Arbeit als Trainer?

Erik Lesser: Für mich gibt es nichts Besseres als einen Wettkampf. Ich genieße es, meine Athletinnen während der Veranstaltungen oder in den Trainingslagern zu unterstützen. Die Position als DSV-Nachwuchstrainer bringt neue Verantwortung mit sich. Sie unterscheidet sich von den Aufgaben, die ich zuvor als Athlet oder als Trainer am Sportgymnasium Oberhof hatte. Mit dem Deutschen Skiverband und seinen Strukturen bin ich vertraut, aber jetzt kann ich sie aus einer anderen Perspektive betrachten.

BW: Welche Herausforderungen siehst du in der Arbeit mit jungen Athletinnen?

EL: Ich sehe die Athletinnen nur bei den Trainingslagern. Jede hat ihren eigenen Trainingsstützpunkt und ihren eigenen Heimtrainer. Deshalb erstelle ich keine Jahrespläne und überwache auch nicht das tägliche Training. Stattdessen bin ich dafür verantwortlich, dass die Strukturen im Nachwuchsbereich funktionieren. Dazu gehört zum Beispiel die Organisation der Trainingslager. Wenn wir gemeinsam unterwegs sind, ist es wichtig, dass das Training den Bedürfnissen aller gerecht wird. Die Athletinnen sind zwischen 17 und 21 Jahre alt – einige gehen noch zur Schule, während andere bereits Profis sind. Man muss eine gute Balance finden, damit sich alle während des Trainingslagers weiterentwickeln können.

BW: Gab es in deiner Karriere Trainer, an denen du dich heute orientierst?

EL: Ja, es gab viele Menschen, die mich durch ihre Persönlichkeit und ihren Charakter inspiriert haben. Hartmut Gollhardt hatte großen Einfluss auf mich, als ich jünger war. Als ich Profi wurde, waren es unter anderem Mark Kirchner und Andreas Stitzl. Ich denke oft darüber nach, was ich während meiner aktiven Karriere gemacht habe, ob wir bestimmte Dinge heute anders machen und, falls ja, warum.

BW: Wie möchtest du als Trainer wahrgenommen werden?

EL: Ich bin überzeugt davon, dass Spitzenleistungen nur durch harte Arbeit erreicht werden können. „Von nichts kommt nichts“ mag wie ein Klischee klingen, aber im Leistungssport trifft es definitiv zu. Ich versuche, mein Privatleben und meinen Beruf voneinander zu trennen, und möchte gleichzeitig ansprechbar sein – ein Trainer, mit dem man offen über alles reden kann, was einen beschäftigt.

BW: Der Gen Z wird häufig nachgesagt, dass sie nicht bereit sei, Leistung zu bringen und sich anzustrengen. Welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

EL: Ich habe noch nie eine junge Athletin erlebt, die im Training nicht an ihre Grenzen gehen wollte oder einem intensiven Training aus dem Weg gegangen wäre. Natürlich sehen Intervalltrainings auf Instagram einfach aus. Dabei vergisst man leicht, dass Leistungssport harte Arbeit bedeutet. Ich kann das, was über die jungen Leute gesagt wird, jedenfalls nicht bestätigen.

BW: Dein Team wird beim City Biathlon in Dresden an der Youngster Team Challenge teilnehmen. Ist das eine besondere Veranstaltung für junge Biathleten?

EL: Es ist eine großartige Veranstaltung, um Erfahrungen zu sammeln, und eine gute Vorbereitung auf die Deutschen Meisterschaften, die eine Woche später stattfinden. Für mich als Athlet war der City Biathlon immer eine hervorragende Gelegenheit, gemeinsam mit anderen Spitzenathleten intensiv zu trainieren. Diese Erfahrung gebe ich auch an meine Trainingsgruppe weiter. Ich kann zwar Tipps für das Rennen geben, aber jede Athletin muss sich individuell auf die Situation einstellen und mental darauf vorbereiten.

Fotos: IBU I Archiv

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