Verfolgung: Perfektes Schießen ebnet Elvira Öberg den Weg zum Sieg

Die Schwedin Elvira Öberg feierte beim Verfolgungsrennen über 10 km auf der Pokljuka in 29:41,6 Minuten einen ungefährdeten Start-Ziel-Sieg. Garant für ihren Triumph war ihr bedachtes und vor allem fehlerfreies Schießen. Zweite wurde die Italienerin Dorothea Wierer, die sich trotz einer Strafrunde noch vom dritten auf den zweiten Platz verbesserte. Im Ziel hatte sie 17,6 Sekunden Rückstand auf die Siegerin. 22,4 Sekunden hinter Öberg kam die Französin Julia Simon mit zwei Strafrunden auf den dritten Rang.

Traumhaftes Ergebnis

Elvira Öberg strahlte übers ganze Gesicht, nachdem sie mit ihrem zweiten perfekten Schießen hintereinander mit dem Double aus Sprint und Verfolgung perfekt ins Jahr 2023 startete: „Auf der Strecke war ich heute ganz schön kaputt, daher wusste ich, dass ich gut schießen muss. Jetzt kann ich das Ergebnis selbst kaum glauben. Mit Startnummer 1 ins Rennen zu gehen, alle 20 Scheiben zu treffen und das ganze Rennen über die Spitze zu verteidigen, gibt mir enorm viel Selbstvertrauen. Das Ergebnis ist traumhaft und genau das, was ich mir erhofft habe. Ich bin megastolz, dass ich es bis hier geschafft habe. Einfach unglaublich!“

Sieg mit Startnummer 1

Elvira Öberg gewann heute den dritten Verfolgungswettkampf ihrer Karriere, allerdings erstmals mit Startnummer 1: „Das bedeutet mir sehr viel. Ich bin letztes Jahr in Ruhpolding als Erste in die Verfolgung gestartet, wurde am Ende aber Zweite. Das ganze Rennen über vorneweg zu laufen, auf Bahn 1 zu schießen und dabei auch noch fehlerfrei zu bleiben, ist eine große Sache. Das bedeutet mir sehr viel und geht weit über den Sieg heute hinaus. Ich bin wirklich stolz, dass mir dieses Kunststück gelungen ist.“

Paulina Batovska Fialkova (Slowakei) landete mit 31 Sekunden Rückstand wie schon im Sprint auf dem vierten Platz. Dahinter folgten die Tschechin Marketa Davidova (34,7 Sekunden zurück) auf Rang fünf und Linn Persson (Schweden, 36,2 Sekunden zurück) auf Position sechs. Beide leisteten sich jeweils eine Strafrunde.

Elvira legt Grundstein im Liegendanschlag

Auf der Pokljuka zeigte sich das Wetter einmal mehr sonnig bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Dazu war es beim ersten Verfolgungsrennen im Kalenderjahr 2023 nahezu windstill. Elvira Öberg führte das Feld zum ersten Liegendschießen, knapp 5 Sekunden dahinter folgte Julia Simon. Beide räumten alle fünf Scheiben ab, wobei die Französin etwas schneller am Abzug war und so etwas Zeit gutmachen konnte. Wierer landete ebenfalls fünf saubere Treffer, genauso Batovska Fialkova. Beide machten sich 18 bzw. 20 Sekunden hinter der Führenden auf die Verfolgung.

Auf der zweiten Laufrunde baute Elvira Öberg ihren Vorsprung leicht aus, doch Simon kämpfte sich vor dem zweiten Liegendanschlag Sekunde um Sekunde zurück. Während die Schwedin auch die zweiten fünf Scheiben allesamt auf Weiß stellte, musste die Führende im Gesamtweltcup einmal in die Strafrunde. Wierer und ihre slowakische Kontrahentin blieben jeweils fehlerfrei und schoben sich mit 11,2 bzw. 13 Sekunden Rückstand auf die Positionen zwei und drei, ehe Simon nach ihrem Kreisel dahinter als Vierte zurück auf die Strecke ging.

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Kampf in der Loipe

Die Tagessiegerin spürte, dass sie in der Loipe heute nicht in Top-Form war. Sie konnte nicht verhindern, dass ihre Konkurrentinnen in nahezu jeder Runde die Lücke zu ihr verkleinerten: „In der Loipe hatte ich heute große Probleme, wobei ich nicht genau weiß, woran es lag. Es ist der dritte Tag in der Höhe, das kann eine Rolle gespielt haben. Für jemanden wie mich, die im Flachland lebt, sind das nicht die besten Bedingungen. Wegen meiner läuferischen Defizite habe ich mich heute voll und ganz aufs Schießen konzentriert. Dabei konnte ich zeigen, dass ich nicht nur schnell laufen kann, sondern eine komplette Biathletin bin.“

Wierer und Batovska Fialkova holen weiter auf

Die beiden ärgsten Verfolgerinnen verkürzten den Abstand nach vorn vor dem ersten Stehendschießen auf weniger als 5 Sekunden. Doch die Siegerin des gestrigen Sprints schoss abermals mit Bedacht und räumte alle Scheiben ab, während Batovska Fialkova und Wierer jeweils ein Ziel verfehlten und ohne Positionsverlust mit 25 Sekunden Rückstand auf die nächste Laufrunde gingen.

Puffer für einen Fehler

Wierer agierte etwas vorsichtiger als sonst, da der Schießstand ihrer Meinung nach einige Tücken hat. Trotzdem verfehlte sie im dritten Durchgang eine Scheibe. „Es war auf jeden Fall ein gutes Rennen und hat sich besser als in den letzten Wettkämpfen angefühlt. Das Wichtigste heute war ein gutes Schießen, ein Fehler war im Rahmen. Der Schießstand sieht sehr einfach aus, weil man aus einer Abfahrt kommt. Doch genau da liegt die Schwierigkeit. Du willst schnell am Abzug sein, weil du dich frischer fühlst. Dabei musst du höllisch aufpassen. Daher habe ich heute sehr langsam geschossen. Mein Ziel war es, Scheibe für Scheibe anzugehen und zu treffen.“

Ingrid Landmark Tandrevold hatte nach der dritten Schießeinlage alle 15 Ziele abgeräumt und schob sich auf Position 4 in Schlagdistanz zu Wierer und Batovska Fialkova. Simon rangierte zu diesem Zeitpunkt auf dem fünften Platz.

Alles unter Kontrolle

Elvira Öberg hatte vor dem letzten Stehendschießen alles im Griff. Mit fünf kontrollierten Treffern besiegelte sie ihren Sieg. Wierer schoss erwartungsgemäß gut und traf ebenfalls alle Scheiben, sodass sie ungefährdet dem Silberrang entgegenlaufen konnte. Tandrevold und Batovska Fialkova zeigten Nerven, sodass die sauber schießende Simon sich an beiden Athletinnen vorbei auf den dritten Podestrang schieben konnte.

Kampf ums Überleben

Simon gab zu Protokoll, dass es nicht leicht war, sich aufs Podium zurückzukämpfen. Ihr guter Stehendanschlag und ihre mentale Stärke waren der Schlüssel zu ihrem siebten Podest in dieser Saison: „Es war ein toller Kampf heute. Ich habe zwei Scheiben verfehlt. Das war zu viel, um Elvira schlagen zu können. Mit meiner Leistung bin ich allerdings rundum zufrieden, denn auf der Strecke war es richtig hart. In der Schlussrunde war es ein Kampf ums Überleben. Schon zu Beginn war es schwierig. Als ich nach dem letzten Schießen auf dem Podiumsrang lag, wusste ich, dass ich alles reinhauen muss. Schließlich ging es um einen Platz auf dem Treppchen, und das ist jedes Mal etwas Besonderes. Ich wollte mich auf die beiden Liegendschießen konzentrieren, was am Ende der Schlüssel war.“

Elvira Öberg ließ auf der Schlussrunde nichts mehr anbrennen und winkte beim Einlauf ins Stadion bereits den Fans zu, mit denen sie ihren zweiten Erfolg in dieser Woche feierte. Fotos: IBU/Christian Manzoni, Svoboda

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