Dorothea Wierers Erkenntnisse aus ihrem ersten Loop One Festival

Beim Loop One Festival am vergangenen Wochenende in München war Dorothea Wierer zurück im Biathlon-Zirkus. Doch die WM- und Olympiamedaillengewinnerin stellte sich nicht den spannenden Duellen im Olympiapark, sondern übernahm als TV-Expertin für die ARD eine neue Rolle. Da sie an der ersten Auflage des Loop One im vergangenen Herbst krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte, erlebte die Italienerin die offizielle Biathlon-Saisoneröffnung zum ersten Mal live vor Ort.

Dabei genoss sie die Atmosphäre sichtlich – und analysierte natürlich auch die Ergebnisse ihrer früheren Teamkolleginnen und Konkurrentinnen. Am Ende der Wettbewerbe hat sie uns einige ihrer Eindrücke geschildert und erklärt, wie die Ergebnisse des Wochenendes zu bewerten sind.

BiathlonWorld (BW): Doro, es ist schön, dass du nach deinem Karriereende letzten Winter so schnell in den Biathlon zurückgekehrt bist! Wie war dein erster Einsatz als TV-Expertin und wie hat dir dein erstes Loop One Festival gefallen?

Dorothea Wierer (DW): Es war eine wunderbare Erfahrung für mich. Ich habe viel über Dinge gelernt, die man als Athletin gar nicht wahrnimmt. Zum Beispiel war ich beeindruckt davon, wie viele Menschen hinter den Kulissen arbeiten, um bei einem Event wie diesem die bestmöglichen Bilder fürs Publikum zu produzieren. Die Arbeit an der Seite eines derart professionellen Teams ist sehr inspirierend. Das motiviert mich, mehr zu lernen und besser zu werden.

Außerdem war ich gespannt darauf, die Events abseits der Biathlon-Wettkämpfe zu erleben. Als Athletin bist du so sehr mit dir selbst und deiner Performance beschäftigt, dass du unmöglich das ganze Drumherum erfassen kannst. Ich muss gestehen, ich finde es ein supercooles Konzept hier. Und selbst wenn das Wetter nicht ganz so mitgespielt hat, war die Atmosphäre fantastisch. Es war schön, so viele begeisterte Fans bei einem Sommerbiathlon-Event zu sehen.

BW: Wie schätzt du die sportlichen Ergebnisse ein? Was sind deine Eindrücke zu den gezeigten Leistungen am vergangenen Wochenende?

DW: Aus sportlicher Sicht habe ich viel Interessantes wahrgenommen. Gefreut hat mich der gewohnt starke Auftritt von Lisa Vittozzi. Sie hat gezeigt, dass ihre Form stimmt. Auch Lukas Hofer hat bestätigt, dass er sich gut fühlt und hochmotiviert ist. Bei diesem Format gibt es immer Überraschungen und es ist schwer, daraus Schlussfolgerungen für die Saison zu ziehen. Schließlich kommen alle in einer anderen Phase ihrer Vorbereitung hierher. Einige reisen direkt aus dem Höhentrainingslager an, andere kommen aus einer Regenerationswoche. Daher wissen allein die Athletinnen und Athleten sowie ihre Coaches, wie sie ihre persönlichen Ergebnisse einzuschätzen haben. Das macht es für eine TV-Expertin natürlich nicht einfacher!

BW: Wenn du noch aktiv wärst, wie würdest du deine Leistungen bei einer Veranstaltung wie dem Loop One Festival bewerten? Du hast zwar eben schon Einblicke gegeben, doch der Winter steht vor der Tür. Können die Athletinnen und Athleten Schlüsse aus einer guten oder weniger guten Leistung am Wochenende ziehen?

DW: Man kann solche Events nicht wirklich mit einem Weltcup-Wochenende vergleichen. Das Streckenprofil ist ein völlig anderes als bei den Rennen im Winter. Dazu läuft man auf Skirollern, was einen gewaltigen Unterschied ausmacht. Wahr ist aber auch: Wenn du in München ein gutes Ergebnis erzielt hast, dient das als Bestätigung dafür, dass du im Sommer gut gearbeitet und eine gute Form für den Winter aufgebaut hast. Wenn deine Leistung jedoch hinter den eigenen Erwartungen zurückbleibt, hast du in den nächsten Wochen noch viel Arbeit vor dir.

Trotzdem muss man vorsichtig mit den Schlussfolgerungen sein. Wie schon gesagt, bei diesen Events haben alle unterschiedliche Voraussetzungen. Zudem fördern die kürzeren Strafrunden ein schnelles, aggressives Schießen. Da es nicht um Weltcup-Punkte geht, hat man weniger zu verlieren.

BW: Eine letzte Frage: In der letzten Saison musstest du deine Teilnahme am Loop One Festival leider kurzfristig absagen. In diesem Jahr warst du nun zum ersten Mal in München dabei. Wie hat dir die neue Biathlon-Saisoneröffnung gefallen?

DW: Es war sehr schade, dass ich letzte Saison nicht dabei sein konnte. Leider ging es mir damals nicht gut und ich musste im letzten Moment absagen. Umso mehr freue ich mich, in diesem Jahr hier zu sein, und mein Eindruck ist rundum positiv. Ich weiß, dass nicht alle Athleten diese Events mögen, da durch An- und Abreise sowie die Veranstaltung selbst wertvolle Trainingszeit verloren gehen kann. Und wenn es schlecht läuft, betreibst du den ganzen Aufwand für gerade einmal 15 Wettkampfminuten am Wochenende. Doch ich glaube, die meisten waren mit der Organisation sehr zufrieden. Die Strecke finde ich sehr gelungen, das Stadion ist wunderschön und ich habe sehr viele glückliche Fans gesehen. Für das Publikum ist es eine großartige Gelegenheit, die Athletinnen und Athleten aus nächster Nähe zu sehen und sie um Autogramme und Selfies zu bitten. Ich hoffe, das entwickelt sich in den nächsten Jahren weiterhin so positiv. Sicherlich ist es für manche komisch, ein Biathlon-Rennen ohne Schnee zu sehen, aber es macht trotzdem viel Spaß.

Photos: Manzoni/IBU

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