So unterschiedlich und doch so ähnlich – Doros und Franzis gemeinsames Vermächtnis

Bei den Olympischen Winterspielen in Mailand/Cortina beendeten Dorothea Wierer wie schon lange erwartet und Franziska Preuss doch etwas überraschend ihre Biathlon-Karrieren. Die zwei Weltcup-Gesamtsiegerinnen könnten kaum unterschiedlicher sein, und jede hat den Biathlonsport auf ihre eigene Art geprägt.

Beide Frauen waren entscheidend für den Erfolg ihrer Mannschaften: Wierer mit neuen Rekorden, die Italien ins Rampenlicht rückten, und Franzi Preuss als die zuverlässige Größe in der Mannschaft, die in Deutschland schon längst in einem Atemzug mit Uschi, Kati, Lena, Laura und Denise genannt wird.

Doro + Franzi = 158 Podestplätze

Doro brillierte im Laufe ihrer 19-jährigen internationalen Karriere mit zwei Gesamtsiegen und 17 Einzelsiegen im Weltcup, 88 Podestplätzen einschließlich Staffeln, fünf IBU-WM-Titeln in Einzeldisziplinen, Siegen in jeder Einzel- und Staffeldisziplin und Medaillen bei vier aufeinanderfolgenden Olympischen Winterspielen.

Franzi konnte in ihrer 14-jährigen internationalen Biathlon-Karriere den Weltcup-Gesamtsieg 2024/25, sechs Einzelsiege im Weltcup, 70 Podestplätze einschließlich Staffeln, zwei IBU-WM-Titel und Medaillen bei zwei Olympischen Winterspielen verbuchen.

Die Italienerin errang mehr Podestplätze in Einzeldisziplinen, Preuss mehr Podestplätze in den Team-Disziplinen mit einer enorm tiefen deutschen Mannschaft.

Phänomenal

Beide Frauen waren ein Phänomen. In Bestform lieferte Doro eine unvergleichliche Show und schoss so rasant, wie sie Interviews gab. Franzi war am Schießstand eine absolute Bank und knipste die Scheiben so souverän aus, dass es in der Saison 2024/25 für eine unglaubliche Trefferquoten von 92 % reichte. Beide waren im Liegendschießen praktisch unschlagbar und lagen selten unter 91 %.

Nach dem ersten Weltcupsieg ihrer Karriere beschrieb Wierer, wie sie das Schießen an guten (und schlechten) Tagen anging. „Ich schalte den Kopf aus und schieße wie im Training. Wenn ich nicht darüber nachdenke, läuft es einfach ... Manchmal finde ich diesen Knopf, manchmal eben nicht!“

Für Doro „wichtig, viel unter Menschen zu sein. Ich bin nicht gern viel alleine“

Als Menschen könnten die beiden kaum unterschiedlicher sein. Wierer liebt das Rampenlicht und ist gern unter Menschen. „Für mich ist es wichtig, viel unter Menschen zu sein. Ich bin nicht gern viel alleine.“ Fürs Stillsitzen ist sie nicht gemacht: Schimpfte jemand, weil sie in einem Helikopter davongeflogen war, war nur ihr perlendes Lachen zu hören, wusste sie doch, dass sie am Ende das letzte Wort haben würde! Vor dem Rennstart, so gestand Doro, war ihr Geplapper aber auch eine Strategie gegen Nervosität und Zweifel. „Da ist immer auch viel Angst, viele Zweifel und all das.“

Franzi „nie die Leidenschaft und den Glauben an mein Potential verloren“

Preuss ist ein ruhiger, umgänglicher Mensch. Sie verbringt gern Zeit zuhause mit ihrem Partner Simon Schempp und geht mit dem Hund spazieren. Emotionale Ausbrüche sind selten, doch hinter der ruhigen Fassade steckt auch eine Kämpferin, entschlossen, nie aufzugeben und keine Sekunde liegen zu lassen. In einer von Verletzungen und Krankheiten geprägten Karriere hat sich Franzi mit eben dieser Entschlossenheit immer wieder zurückgekämpft, bis sie sich ihre größten Träume erfüllen konnte.

In all den Jahren hat Preuss „nie die Leidenschaft für diesen Sport und den Glauben an mein Potential verloren“. Als sie die große Kristallkugel in den Händen hielt, sagte sie: „Ich bin sehr stolz darauf (nie aufgegeben zu haben). Ich bin auch meiner Familie und meinen Freunden sehr dankbar. Sie unterstützen mich immer ... (und) ich ziehe daraus so viel Kraft. In den schwierigen Zeiten kann ich auf sie vertrauen.“

„Der Sport hat mir so viel gegeben – mehr, als ich je zu träumen gewagt hätte“

Franzi, die schon bei den Jugend-Winterspielen 2012 drei Goldmedaillen gewann, gestand auch ein: „Damals war Biathlon einfach Spaß. Ich habe mehr über den Sport gelernt und gar nicht so viel über Preise und Medaillen nachgedacht.“ Als sie ihren Abschied ankündigte, erklärte sie: „Der Sport hat mir so viel gegeben: Moment des Erfolgs, Tränen der Enttäuschung und Freundschaften fürs Leben ... Ich habe mehr erreicht, als ich je zu träumen gewagt hätte.“

Header icon Memorable Moments with Doro and Franzi

„Es sind die Menschen ... Begeisterung der Fans … viel wichtiger als all die Medaillen“

Auch Doro war wie ihre deutsche Kollegin schon früh erfolgreich und gewann mit 18 Jahren den Jugend-WM-Titel in der Verfolgung. Bei ihrem Biathlon-Abschied ging es ihr allerdings weniger um Titel und mehr um „die vielen tollen Menschen, die ich kennengelernt habe. Ich konnte ein paar Medaillen gewinnen und habe gute Resultate abgeliefert, aber es sind vor allem die Menschen, denen ich begegnet bin. Die Begeisterung der Fans ist so viel wichtiger als all die Medaillen ... Ich bin insbesondere stolz, dass ich den Biathlonsport in Italien ein bisschen größer machen konnte, auch für die Mannschaft.“

Diese zwei Frauen sind in vielerlei Hinsicht wie Tag und Nacht, und doch ist die Schnittmenge groß. Sie haben sich den großen Traum von der Karriere im Spitzensport erfüllt, die Höhen und Tiefen erlebt und am Ende das zu schätzen gewusst, was der Biathlonsport ihnen gegeben hat.

Ciao Doro! Auf Wiedersehen, Franzi! Fotos: IBU/Christian Manzoni, Vianney Thibaut, Ola Wizor, Nordic Focus

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