Dale läuft kraftvoll zum Massenstartsieg

Der Norweger Johannes Dale kam heute Nachmittag im 15 km Massenstart der Männer von Le Grand Bornand im letzten Stehendschießen ohne Fehler durch und ging mit 10,2 Sekunden Rückstand auf die Strecke, zauberte dann aber eine brillante letzte Runde in den Schnee, auf der er seinen führenden Mannschaftskameraden Sturla Holm Laegreid hinter sich ließ und sich in 35:02,2 den Sieg sicherte. Sowohl Dale als auch der Zweitplatzierte Laegreid, der mit nur 0,3 Sekunden Rückstand ins Ziel kam, hatten zwei Fehler.

„Wieder im Geschäft“

Dale, der zuletzt den Sprint in Hochfilzen 2020 gewonnen hatte und wegen Schießproblemen in der letzten Saison in den IBU Cup zurückgestuft worden war, war von seinem heutigen Erfolg überwältigt. „Es ist verrückt. Ich fange langsam an, es zu glauben, nachdem ich jetzt noch ein Rennen gewonnen habe. Das letzte Jahr war sehr hart, jetzt bin ich wieder im Geschäft ... Zurückzukommen und hier zu gewinnen ist einfach völlig unglaublich. Ich bin gerade so glücklich und erleichtert.“

„Ich war so überrascht“

Bei seinem großen Rückstand nach dem letzten Stehendschießen war er sich nicht sicher, ob er gewinnen kann. „Als ich gehört habe, dass ich auf Rang zwei aus dem letzten Stehendschießen gegangen bin, habe ich das überhaupt nicht kapiert. Ich war so überrascht. Ich dachte, Sturla sei viel zu weit voraus, aber ich habe es probiert und gemerkt, dass ich ihn einholen kann. Also habe ich Vollgas gegeben und bin wie ein Wahnsinniger losgestürmt. Ich war so froh.“

Freunde seit der Kindheit

Laegreid sagte zum Sieg seines langjährigen Freundes: „Johannes und ich stehen uns sehr nahe. Wir sind gleich alt und schon lange befreundet. Nachdem er letztes Jahr aus der Mannschaft raus war, hat er wie verrückt trainiert, besser als wir alle. Ich freue mich wirklich sehr, dass er ganz oben steht. Wenn ich nicht gewinnen kann, dann soll er gewinnen ... Man sieht, wie viel ihm das bedeutet. Also – Glückwunsch!“

Dale antwortete: „Ich habe ihm gesagt, dass ich mich freue, mit ihm auf dem Podest zu stehen, weil wir uns kennen, seitdem wir klein sind. Mit ihm und JT auf dem Treppchen zu stehen ist unglaublich!“

Ihr Mannschaftskamerad Johannes Thinges Bö wurde mit drei Fehlern Dritter.

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Fünf Norweger in den Top sechs

Der viertplatzierte Fabien Claude aus Frankreich, mit drei Fehlern und 17,2 Sekunden Rückstand, war der einzige nicht-norwegische Athlet in den Top sechs. Vetle Sjaastad Christiansen wurde mit drei Fehlern und 19,1 Sekunden Rückstand Fünfter. Sechster wurde Tarjei Bö mit zwei Fehlern und 20,6 Sekunden Rückstand, für ihn eine Saisonbestleistung.

Vier Norweger führen nach Liegendschießen

Der erste Massenstart der Saison 2022/23 startete unter strahlend blauem Himmel bei +3 °C und dem gleichen leichten Wind am Schießstand wie schon gestern JT führte das Feld zum ersten Liegendschießen. Er und Laegreid kamen zeitgleich fehlerfrei durch, Christiansen folgte ihnen einen Hauch später. Dieser Dreiergruppe waren innerhalb von 21 Sekunden gleich ein Dutzend Verfolger auf dem Fuße, die ebenfalls ohne Fehler durchgekommen waren. Bei der 4-km-Zwischenzeit hatte Dale seine Mannschaftskameraden in der Führungsgruppe eingeholt.

Das norwegische Quartett kam mühelos ohne Fehler durch das zweite Liegendschießen. Diesmal lief Laegreid an der Spitze, gefolgt von Christiansen, JT und Dale mit 7,9 Sekunden Rückstand. Die vier Führenden arbeiteten auf der nächsten Runde hin zum ersten Stehendschießen gut zusammen und wechselten sich mit der Führungsarbeit ab. Der Mann im gelben Trikot schoss auf Bahn 1 und verfehlte, ebenso Laegreid und Christiansen, während Dale mit gleich zwei Strafrunden 25 Sekunden zurückfiel. Ihn spülte es nach hinten, Filip Fjeld Andersen kam ohne Fehler durch sein drittes Schießen und ersetzte Dale in der Führungsgruppe, 8,2 Sekunden dahinter gefolgt von Sebastian Stalder und einer Fünfergruppe knapp über 20 Sekunden dahinter.

Das Tempo machen

JT sagte zur Mentalität unter den Norwegern im Rennen: „Mit den Skiern, die wir heute hatten, sind wir so viele starke Athleten auf der Strecke. Jeder hat sich gedacht, egal wie schnell es wird, ich geh das mit. Wir haben vorne zusammen das Tempo gemacht.“

„Nicht an den Sieg gedacht“

Beim letzten Stehendschießen hatte das Trio aus JT, Laegreid und Christiansen fünf Sekunden Vorsprung auf Andersen, während Dale mit seinen 24 Sekunden Rückstand zugab: „Ich habe gar nicht an das Podest gedacht. Ich lag 24 Sekunden zurück. Ich habe mich einfach auf das konzentriert, was ich im letzten Schießen machen muss.“

Laegreid leistete sich eine weitere Strafrunde und ging in Führung, während der Mann in Gelb zweimal patzte und 18 Sekunden zurückfiel. Stalder machte das fehlerfreie Rennen komplett und schob sich vor auf zwei, während Dale sich mit einem fehlerfreien Schießen und 10 Sekunden Rückstand auf Rang drei zurückmeldete.

Taktieren auf der letzten Runde

Laegreid verausgabte sich völlig auf der letzten Runde und schien den Sieg schon sicher zu haben, bis Dale sich 1500 Meter vor dem Ziel an seine Skienden saugte. Er beschrieb was geschah: „Ich habe auf der großen Leinwand gesehen, dass ich Zweiter bin, und habe einen Adrenalinschub bekommen. Die Taktik war, ordentlich auf die Tube zu drücken, aber ich wollte das schrittweise angehen. Als ich merkte, dass ich näher herankomme, habe ich an den Anstiegen wirklich alles aus mir herausgeholt. So konnte ich die Lücke schließen, und dann musste ich nur noch auf den richtigen Moment warten. Ich habe die allerletzten Reserven aus mir herausgeholt.“

Feiern

Auf der letzten Abfahrt Richtung Stadion konnte Dale ein paar Sekunden herausholen und kam winkend ins Stadion gefahren, während Laegreid noch einen verzweifelten Schlusssprint hinlegte, aber 0,3 Sekunden nach ihm über die Linie ging. Dale erklärte, er habe sich über Laegreids Sprint keine Sorgen gemacht. „Meiner Meinung nach hatte ich mich gut abgesetzt. Ich hätte nie gefeiert, wäre ich mir nicht sicher gewesen. Und mit diesem Publikum muss man das einfach genießen.“

Laegreid sagte weiter: „Es ist nie vorbei, bis man über die Linie ist. Ich glaube, er hatte das Ding sicher, aber ich gebe nie auf. Ich habe eine kleine Chance gesehen, aber er war stärker.“

„Guter Tag für den norwegischen Biathlon“

JT pflügte an Stalder vorbei, der früh auf der letzten Runde abreißen lassen musste, und wurde mit einem Schulterzucken Richtung Publikum am Ende Dritter.

Der Mann im gelben Trikot war nicht enttäuscht. „Ich bin sehr zufrieden. Vom ersten bis zum sechsten Platz war alles drin. Es war ein sehr enger Massenstart. Am Ende war es ein großartiger Kampf ... Da sieht man mal wieder: Wenn du nicht triffst, trifft jemand anders, und Dale hat getroffen. Es war ein fantastischer Tag für den Norwegischen Biathlonverband.“

Fotos: IBU/Christian Manzoni

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