Hier dreht sich das Trainerkarussell 2022 – Update Mai

Es ist Frühling nach einer Olympia-Saison, seit Saisonende dreht sich das Trainerkarussell, und während manche etablierten Trainer für weitere vier Jahre unterschrieben haben, ziehen andere weiter, und in Frankreich, Deutschland, Österreich, der Schweiz und Polen nehmen neue Trainer das Heft in die Hand.

Update Mai

Wechsel in Italien, Finnland, Tschechien

Während bei vielen Nationen das neue Trainerteam früh feststand, liefen die Wechsel bei Finnland, Italien und Tschechien erst in der ersten Maiwoche.

Italien stellte den Trainerstab in Vorbereitung auf die Heim-Olympiade 2026 komplett neu auf. Klaus Höllrigl wechselte aus dem Trainerteam in die Rolle des Sportdirektors und ersetzt damit Fabrizio Curtaz, der von nun an als Projektleiter Milan-Cortina tätig sein wird. Neuer Cheftrainer der Weltcup-Mannschaft ist jetzt Alex Inderst, der die Männer- und Frauenmannschaft koordinieren wird. Als Frauentrainer engagiert Italien mit Jonne Kähkönen zum ersten Mal keinen Italiener. Unterstützt wird er von Mirco Romainin, der der Mannschaft erhalten bleibt. Bei den Männern steigt Fabio Cianciana vom B-Kader zum Weltcup auf und wird mit Andrea Zattoni zusammenbleiben, der ebenfalls gesetzt bleibt. Zudem haben die Italiener Christian Favre als leitenden Wachstechniker angeheuert, der nicht nur jahrelange Erfahrung aus Frankreich mitbringt, sondern auch persönlicher Wachstechniker von Martin Fourcade war.

Finnland ersetzt Cheftrainer Jonne Kähkönen mit dem Norweger Erik Bartlett Kulstad, der in den vergangenen drei Jahren als Co-Trainer bei der chinesischen Mannschaft aktiv war.

Auch in Tschechien gab es in der letzten Woche größere Veränderungen: Ondřej Rybář verabschiedet sich wieder von seinen Traineraufgaben, um sich auf den Job als Sportdirektor zu konzentrieren. Für ihn kehrt Michal Malek als Cheftrainer der Männer in den Weltcup zurück. Nach mehreren Jahren bei der US-Mannschaft wird der Olympiasieger über 50 Meter im liegenden Anschlag von 2004 Matt Emmons als Schießtrainer zur tschechischen Mannschaft stoßen. In der Frauenmannschaft änderte sich nichts, da sowohl Egil Gjelland als auch Jiří Holubec dem Team erhalten bleiben.

Sverre Röiseland und Uros Velepec nach Deutschland

Die größte Umstrukturierung gab es in Deutschland. Der deutsche Frauentrainer, der aus der Quereinsteigerin Denise Herrmann eine Olympiasiegerin machte, musste gehen, ebenso der Co-Trainer der Männer, Isidor Scheurl. Mit einem völligen Paradigmenwechsel weg von heimischem Talent entschied sich der DSV mit dem Norweger Sverre Röiseland und dem Slowenen Uros Velepec für zwei Trainer aus dem Ausland. Der ehemalige IBU Sportdirektor und neuer Sportdirektor Biathlon in Deutschland Felix Bitterling dazu: „Für den deutschen Biathlon ist es ungewöhnlich, Trainer aus dem Ausland anzuheuern. Sie sind beide sehr motiviert und haben neue Ideen, die neuen Schwung bringen werden.“

Der Wechsel des Ehemannes der Weltcup-Gesamtsiegerin Marte Olsbu Röiseland ist eine große Überraschung und ein großer Coup für Deutschland. Nachdem er die letzten fünf Jahre die sehr erfolgreiche norwegische IBU-Cup-Mannschaft begleitet hatte, wird Röiseland jetzt zusammen mit Kristian Mehringer die deutsche Frauenmannschaft mit Franziska Preuss, Nachwuchstalent Vanessa Voigt und voraussichtlich Herrmann leiten.

Velepec, zuletzt Damentrainer in der Ukraine und langjähriger Wegbegleiter von Jakov Fak und den Slowenen wird mit dem Cheftrainer der Männer Mark Kirchner zusammenarbeiten und ein Team um Benedikt Doll, Johannes Kühn und Roman Rees aufbauen, nachdem Erik Lesser zurückgetreten ist.

Mazet und Oberegger verlängern vier Jahre in Norwegen

Norwegen machte nach dem vierten Sieg im Nationencup in Folge bei Frauen und Männern den Weg frei für weitere Erfolge: Sowohl Siegfried Mazet und Egil Kristiansen bei den Männern als auch Patrick Oberegger und Sverre Huber Kaas bei den Frauen unterzeichneten für vier weitere Jahre. Mazet, der auch von Österreich und Frankreich angesprochen worden war, sagte laut Nordic Magazin über seine Gründe: „Ich mag einfach die Stimmung im Team. Mit meinem Kollegen Egil (Kristiansen) komme ich sehr gut aus und wir arbeiten gut zusammen, wie auch mit den Trainern der Frauen. Alle Signale stehen auf grün. Ich will da weitermachen, nicht aufhören, vor allem, weil ich eine gute Beziehung zu allen Athleten aufgebaut habe. Jetzt zu gehen wäre frustrierend gewesen, weil junge Leute nachrücken.“ Weiter: „Ich wollte keine schwächere Mannschaft übernehmen.“ Ähnlich äußert sich sein italienischer Kollege Oberegger, der zum norwegischen Sender TV2 nach Abschluss des neuen Vertrags sagte: „Ich freue mich auf die nächsten vier Jahre. Norwegen war immer meine oberste Priorität ... Jetzt ist die Entscheidung getroffen und ich habe gut geschlafen. Das heißt vermutlich, dass es die richtige Entscheidung war.“

Wechsel in Österreich und der Schweiz

Der österreichische Skiverband trennte sich vom vierfachen Olympiasieger und Männertrainer Ricco Groß. Ersetzen wird ihn der Norweger Vegard Bitnes, zuvor Männertrainer in den USA und Frauentrainer in Österreich von 2016 bis 2019. Ludwig Gredler blieb als Co-Trainer, was Bitnes freute: „Ich freue mich, wieder für den ÖSV zu arbeiten. Mit Ludwig Gredler habe ich einen Trainer an meiner Seite, der die Mannschaft seit vier Jahren kennt und mit dem ich unsere Ideen und neuen Trainingskonzepte perfekt umsetzen kann.“

Der Weltmeister und mit drei Olympiamedaillen dekorierte Dominik Landertinger kehrte in den Sport zurück und wird mit seinen vielen Trainingsjahren und Wettkampferfolgen „die ÖSV-Trainer bei der Planung der Trainings- und Wettkampfsteuerung beraten.“

Der Trainer-Veteran Remo Krug ersetzt den Schweizer Herrentrainer Alexander Wolf, der auf seinen Posten an der Bundespolizeisportschule zurückkehrt. Krug hatte zuvor von 2012 bis 2014 die österreichischen Herren trainiert, von 2015 bis 2018 die deutschen Frauen und in den letzten vier Jahren die deutsche IBU-Cup-Mannschaft.

Neuer französischer Frauentrainer Cyril Burdet kehrt zurück zu Wurzeln

Nach Justine Braisaz-Bouchets spektakulärem olympischen Massenstartsieg und Anais Chevalier-Bouchets Silbermedaille im 15 km Einzel erklärte der französische Damentrainer Frederic Jean im März seinen Rücktritt. Er wird ersetzt durch Cyril Burdet. Jean möchte mehr Zeit für seine Familie haben, wird aber als Trainer aktiv bleiben und den Biathlon in der Region Hautes-Alpes weiterentwickeln.

Burdet, der 44-jährige ehemalige Sprint-Trainer der Männer, wird, nachdem er in der vergangenen Saison Richard Jouve zur Sprint-Kristallkugel im Langlauf verholfen hatte, nun Disziplintrainer bei den Frauen. Auch wenn es für Burdet der erste Einsatz als Biathlon-Trainer ist, ist er doch kein Fremder: In den späten Neunzigern war er zwei Jahre lang in der französischen Juniorenmannschaft unterwegs. Den Segen seiner Familie hatte er, wie er Nordic Magazine auf die Frage nach den Gründen erklärt: „Was mich gereizt hat, war die Chance, wieder auf sehr hohem Niveau im Sport aktiv zu sein (und) meine Erfahrungen aus dem Langlauf nutzen zu können ...“

Burdet wird sich stark auf den französischen Schießtrainer Jean Paul Giachino verlassen, der noch für mindestens eine Saison verlängert hat. Der Olympiasieger mit dem Luftgewehr und Biathlon-Schieß-Guru Jean-Pierre Amat kehrt nach seinem Abschied von der chinesischen Mannschaft in einer bislang noch unklaren technischen Rolle zur französischen Mannschaft zurück.

Neue Cheftrainer in Polen und USA

Wie Amat verließ auch Tobias Torgersen nach vier Jahren die chinesische Mannschaft und kehrt nun als Cheftrainer der Frauenmannschaft nach Polen zurück, ein Amt, das er schon in der Saison 2017/18 bekleidet hatte. Rafal Lepel wird Cheftrainer bei den Männern. Torgersen sagte: „Von dem Angebot, nach Polen zurückzukehren, war ich positiv überrascht. Ich freue mich, diesmal für vier Jahre hier arbeiten zu können. Mein letztes Engagement in Polen war zu kurz. Es hat im Team einige personelle Veränderungen gegeben, aber was sich nicht geändert hat, ist dass ich mit einer talentierten Gruppe von Athletinnen arbeiten werde.“

Auch die USA stellten ihr Trainerteam um. Der langjährige Frauentrainer Armin Auchentaller (stolzer Vater der Juniorenweltmeisterin Hanna) wird Cheftrainer und ist für das Training von Frauen und Männern verantwortlich. Gleichzeitig wird Federico Fontana, zuvor leitender Skitechniker, als Geschäftsführer der Nationalmannschaft die Verantwortung für operative Fragen und Partnerschaften übernehmen, während er weiterhin die Skitechniker koordiniert.

Fotos: IBU/Christian Manzoni, Björn Reichert, DSV/Kevin Voigt, Siegfried Mazet, Petr Slavik

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