Treffsicherer Christiansen triumphiert im Massenstart

Vetle Sjaastad Christiansen (Norwegen) sicherte sich in Otepää seinen ersten Einzelerfolg im BMW IBU-Weltcup. Nach einem superschnellen und fehlerfreien letzten Stehendanschlag gewann er den Massenstart der Männer über 15 km in 34:29,6 Minuten. Der Franzose Quentin Fillon Maillet versuchte nach einer Strafrunde vergeblich, den Norweger auf der Schlussrunde noch einzuholen und landete am Ende mit 5,9 Sekunden Rückstand auf Rang zwei. Dritter wurde Christiansens Teamkollege Sivert Guttorm Bakken, der nach ebenfalls einem Schießfehler mit 15,5 Sekunden Rückstand seine erste Podiumsplatzierung überhaupt feierte.

Christiansen in herausragender Schießform

Christiansen blieb im dritten Wettkampf hintereinander ohne jeden Fehlschuss. Nach Rang fünf in der Verfolgung von Kontiolahti und Rang vier im gestrigen Sprint erlebte er heute einen rundum gelungenen Tag: „Es war ein perfekter Tag für mich. Das Wetter und die Strecke waren super, die Fans hier in Estland einfach fantastisch und dass ich am Ende alle 20 Scheiben getroffen habe, ist natürlich überragend. Beim letzten Stehendschießen habe ich mich gefreut, dass die Zuschauer jeden Treffer bejubelt haben. Von so einem Rennen träumt man als Kind. Es geht nicht immer nur ums Ergebnis, sondern auch um die Emotionen. Heute war so ein besonderer Tag, der zweite in Folge für mich. Man träumt davon, einmal pro Saison alle 20 Ziele abzuräumen und nun ist mir das gleich zweimal in einer Woche gelungen. Das war ein perfekter Tag. Ich bin unwahrscheinlich glücklich!“

Auf seine Schlussrunde angesprochen, meinte der Norweger: „Wenn man sich aussuchen kann, wer einem in der Schlussrunde im Nacken sitzt, dann fällt die Wahl ganz sicher nicht auf Quentin Fillon Maillet! Er ist derzeit der weltbeste Biathlet. Ich wusste, dass er die sieben oder acht Sekunden Vorsprung, die ich hatte, aufholen kann. Ich habe versucht, schnell zu laufen, ohne dabei zu überpacen. Wenn ich oben auf dem höchsten Punkt noch ein paar Körner in den Beinen hätte, wäre ich im Sprint nicht chancenlos, weil es nahezu 500 m komplett flach ins Ziel geht. Sprinten kann ich und Zuversicht hatte ich auch. Als er an der letzten Zwischenzeit nur noch zwei, drei Sekunden hinter mir war, habe ich alles riskiert.“

Fillon Maillets Landsmann Antonin Guigonnat blieb neben Christiansen als einziger Starter ebenfalls fehlerfrei und kam mit 30,5 Sekunden Rückstand als Vierter ins Ziel. Auf dem fünften Platz überquerte Erik Lesser (Deutschland, eine Strafrunde) 38,6 Sekunden hinter dem Sieger die Ziellinie. Sechster wurde mit 46,4 Sekunden Rückstand und zwei Strafrunden der Italiener Lukas Hofer.

Gesamtweltcup für Fillon Maillet

Mit seinem zweiten Rang erreichte Fillon Maillet sein großes Saisonziel und sicherte sich den Titel im Gesamtweltcup. Der Franzose kommt nun auf uneinholbare 870 Zähler. Auf Rang zwei in der Gesamtwertung liegt sein Teamkollege Emilien Jacquelin mit 625 Punkten.

Fillon Maillet wollte gewinnen

Quentin Fillon Maillet ist kein Mann für halbe Sachen: „Gestern hat mir irgendjemand erzählt, ich müsste im Massenstart nur unter die besten Zwanzig kommen, um mir die Große Kristallkugel zu sichern. Doch ein Platz unter den Top 20 ist nicht mein Ziel. Ich will gewinnen! In Sachen Gesamtwertung war ich zuversichtlich, aber ich wollte heute im Massenstart um den Sieg kämpfen. Ich bin froh, dass mir das gelungen ist.“

Perfekte Bedingungen

Beim vorletzten Massenstart der Saison hatten die Athleten perfekte Bedingungen. Bei +3 °C und strahlendem Sonnenschein hingen die Windfähnchen nahezu regungslos am Schießstand. Dadurch blieben beim ersten Liegendanschlag des Tages auch gleich 19 Athleten fehlerfrei und gingen innerhalb von 20 Sekunden zurück auf die Strecke. Am schnellsten schossen dabei Bakken, Claude, Eder, Fillon Maillet und Jacquelin.

Schneller Bakken zweimal fehlerfrei

Bei Kilometer 4,3 führte der Träger des Gelben Trikots eine größere Gruppe an. Im zweiten Liegendanschlag schoss Bakken dann erneut am schnellsten. Hinter ihm folgten Christiansen, Fillon Maillet und die beiden Deutschen Doll und Lesser. Nach dem zweiten Liegendschießen waren noch zwölf Athleten fehlerfrei, darunter Benjamin Weger, der zehn Sekunden hinter Bakken auf die nächste Laufrunde ging.

Trio in Front

Mit Bakken, Christiansen und Filip Fjeld Andersen kontrollierte ein norwegisches Trio das Tempo auf dem Weg zum ersten Stehendschießen, dicht gefolgt von Fillon Maillet und dem Rest der Spitzengruppe, in der kein Athlet zu schwächeln schien. Fillon Maillet ging dann auf Matte eins und legte eine Schnellfeuereinlage hin, verfehlte allerdings ein Ziel. Jacquelin, Christiansen und Guigonnat waren ebenfalls schnell am Abzug und blieben allesamt fehlerfrei. Gemeinsam gingen sie auf die nächste Laufrunde. Fillon Maillet und Hofer, die beide eine Scheibe stehen ließen, folgten mit 18 Sekunden Rückstand.

Fünf perfekte Schuss

Vor der 10,3-Kilometermarke überholte Christiansen Jacquelin und setzte sich vier Sekunden vor den Franzosen. Hofer und Fillon Maillet folgten auf den Positionen drei und vier. Mit etwas Vorsprung kam der Norweger dann zum letzten Schießen des Tages. Nach seinen fünf perfekten Schuss schien die Messe schon gelesen, doch auch Fillon Maillet lieferte eine super Serie ab und ging mit nur 7,4 Sekunden Rückstand als Zweiter auf die Schlussrunde. Bakken und Guigonnat folgten danach mit jeweils 16 Sekunden Rückstand.

Christiansen verteidigt Führung

Bei Kilometer 13,3 schmolz Christiansens Vorsprung auf vier Sekunden – Fillon Maillet und Bakken schienen nun immer näher zu kommen. Der Träger des Gelben Trikots kämpfte selbst in den Abfahrten verbissen, doch der Norweger hielt dem Druck stand und rettete seinen knappen Vorsprung ins Ziel. Beim Überqueren der Linie zeigte er dankbar in Richtung der enthusiastischen Fans. Trotz starker Aufholjagd musste sich Fillon Maillet heute mit dem Silberrang begnügen, während Bakken das Podium komplettierte.

Bakken happy über Rang drei

Bakken freute sich über seinen ersten Podestplatz im BMW IBU-Weltcup: „Es fühlt sich überragend an. Anfangs der Saison habe ich mich darauf konzentriert, gute Rennen abzuliefern. Seit Filip Fjeld Andersen und ich im Weltcup starten dürfen, stand er schon zweimal auf dem Podest. Natürlich wollte ich das auch erreichen. Ich wusste, dass ich mit einem guten Rennen vorn landen könnte. Doch die ganze Zeit auf Angriff zu laufen und Fehler zu machen, war sicher nicht der Schlüssel zum Erfolg. Daher musste ich ruhig bleiben, gut schießen, konzentriert in der Loipe bleiben und mir das Rennen vor allem gut einteilen. So hatte ich auf der Schlussrunde im Duell mit Antonin noch ein paar entscheidende Energiereserven. Quentin war zu weit weg, aber ich bin sehr glücklich über Rang drei.“

Fotos: Hendrik Osula

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