Die Biathlon-Debuts der Champions

Forsberg: „Wenn ich 10.000 Schuss abgebe“

Die Biathlon-Legende Magdalena Forsberg, sechsfache Weltcup-Gesamtsiegerin, war die erste namhafte Frau, die mit 27 vom Langlauf zum Biathlon wechselte. Vor einigen Jahren sprach sie mit IBU TV über ihre ersten Schritte in der neuen Sportart. „Bei den Winterspielen 1992 in Albertville trat ich im Langlauf an, und wir waren im selben Stadion wie Biathlon. Ich sah die Frauen mit ihren Gewehren und fand sie ziemlich cool. Das sah nach einem coolen Sport aus. Ich habe Biathlon nur zum Spaß ausprobiert. Ich konnte nicht schießen. Aber ich kann lernen. Wenn ich 10.000 Schuss abgebe, dann werde ich dabei etwas lernen. Ich habe gehofft, dass ich eine bessere Schützin werden würde als heute.“ Der Rest ist Geschichte: 42 Weltcup-Siege, 5 IBU WM-Goldmedaillen, 12 Disziplin-Kugeln und 2 olympische Medaillen.

Strafrunden zählen

Die Massenstart-Olympiasiegerin von 2006, Anna Carin Olofsson-Zidek, wechselte 2002 zum Biathlon. Bei ihrem ersten Biathlonrennen lernte Zidek auf die harte Tour, dass ihr neuer Sport nicht ganz einfach ist. „Mein erster Biathlon waren die schwedischen Meisterschaften 2002. Davor hatte ich noch nicht viel geschossen. Ich habe ein paarmal mit einer Leihwaffe trainiert. Da ich mich für die Meisterschaften angemeldet hatte, dachte ich, ich sollte wenigstens ein bisschen geschossen haben, bevor ich da an den Start gehe. Das ist nicht so gut gelaufen. Im Sprint habe ich alles verfehlt. Ich bin elf Strafrunden gelaufen! Das Erste, was ich im Biathlon lernen musste, war wie man Strafrunden zählt!“

Welche Scheiben?

Kati Wilhelm, die Frau, die bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City Gold in Sprint und Staffel sowie Silber in der Verfolgung gewann, musste einige Jahre davor ein ähnlich unglückliches Debut verarbeiten. „Mein erstes Winterrennen in Idre war lustig. Ich habe auf die Papierscheiben geschossen, weil die nach dem Anschießen nicht abgenommen worden waren. Nach dem ersten Fehler dachte ich, es wäre nicht so schlimm, aber nach dem zweiten habe ich dann gemerkt, dass ich auf die Papierscheiben (und nicht die Metallscheiben) geschossen hatte. Die letzten zwei habe ich dann getroffen.“

Chevalier-Bouchet: „Gut geschossen, aber nicht schnell auf den Skiern“

Die französische Star-Biathletin und sechsfache WM-Medaillengewinnerin Anais Chevalier-Bouchet war anfangs nicht so sehr vom Langlauf überzeugt, ganz zu schweigen vom Biathlon, fand aber schnell heraus, dass sie treffen konnte. „Langlauf habe ich in der Schule zum ersten Mal ausprobiert und hatte gar keinen Spaß daran, weil ich dachte, das sei für alte Leute! Aber dann habe ich ein paar Rennen gewonnen und da hat es mir dann Spaß gemacht!“ Nach dem Wechsel zur Sportschule in Villard de Lans begann sie mit dem Biathlon: „In meinem ersten Rennen habe ich alles getroffen, war aber nicht so schnell auf den Skiern. Das war am Anfang meiner Karriere oft so, gut geschossen, aber auf den Skiern nicht schnell. Ich glaube, das ist manchmal immer noch so. Ich war schon immer eine gute Schützin.“

Dolls erstes fehlerfreies Schießen

Gut auf den Skiern, aber nicht so gut am Schießstand, so würde man wohl den Karrierebeginn vom IBU Sprintweltmeister 2017 Benedikt Doll beschreiben. Er erinnert sich: „Ich habe früh mit dem Biathlon angefangen, mit 7 ... Ich kann mich nicht an meinen ersten Biathlonwettkampf erinnern, aber an das erste Mal, als ich alle Scheiben getroffen habe, mit 17.“ Doll fand aber schnell heraus, dass er zum Biathleten taugt, „als mir klar wurde, dass auf der Strecke einer der Schnellsten in meiner Altersklasse war.“

Der fünfjährige Simon Eder

Dann ist da Simon Eder, der Jahr um Jahr mit einer Trefferquote von +90 % aus dem Schießstand läuft. Dieser Erfolg könnte mit einigen sehr frühen Rennen in seinem Garten zu tun haben. „Ich war 11, als mein Vater (der vierfache Olympionike Alfred Eder) in Lillehammer zum letzten Mal bei Olympischen Winterspielen antrat. Er wurde dort Zehnter, und ich war so enttäuscht, dass er nicht auf dem Podest stand. Inzwischen weiß ich natürlich, wie schwer das ist ... Mit fünf hatte ich eine Langlaufrunde im Garten, die ich alleine gelaufen bin. Ich habe mit einem Regenschirm geschossen. Ich bin mit meinen Freunden mit den Regenschirmen durch den Garten getobt und wir haben gespielt, dass wir Top-Athleten sind!“

Vanessa Voigt und die „richtig gute Laufzeit“

Die Gesamtsiegerin im IBU Cup 2021, Vanessa Voigt, die in der letzten Saison fünfmal fehlerfrei schoss, war in ihrem ersten Biathlonrennen nicht ganz so erfolgreich. Wenn sie an die Anfänge zurückdenkt, muss Voigt lachen, als sie sich an ihren ersten Biathlonwettkampf erinnert. „Das war ein bisschen frustrierend. Ich habe in einem Einzel zehn Fehler geschossen. Aber im Ziel war ich sehr zufrieden, weil meine Laufzeit richtig gut war, nur zwei Minuten Rückstand.“

Jakov Faks erstes Biathlonrennen: IBU YJWCH

Der zweifache IBU Weltmeister und mit zwei olympischen Medaillen dekorierte Jakov Fak hatte den vielleicht härtesten Einstieg der großen Stars bei seinem Biathlon-Debut. Faks erstes Biathlonrennen war der Sprint bei der IBU YJWCH 2002 in Ridnaun! „Ich habe 2001 eingefangen, Biathlon zu trainieren, als man in Kroatien mit Biathlon anfing. Mein erstes Biathlonrennen war bei den Juniorenweltmeisterschaften in Ridnaun. Ich kann mich erinnern, dass ich von einem Skirennen in Italien, bei dem alle kroatischen Skiläufer dabei sind, direkt nach Ridnaun gefahren bin. Mein erstes Biathlonrennen auf Skiern waren die Juniorenweltmeisterschaften. Ich war nervös. Wenn man da hinkommt und sieht, wie gut die anderen Athleten schießen ... Ich hatte eine Riesenangst, schlecht abzuschneiden. Ich bin nicht so schlecht gelaufen, aber es waren viele Strafrunden dabei.“ In der letzten Saison lag Faks Trefferquote bei 90 %.

Vergesslich: Skardino, Yurlova-Percht und Bailey

Mangelnde Erfahrung scheint bei den Anfängen von Nadezhda Skardino, olympisches Silber im 15 km Einzel 2014 und olympisches Gold mit der Staffel 2018, von Ekaterina Yurlova-Percht, IBU Weltmeisterin im 15 km Einzel 2015 und von Lowell Bailey, IBU Weltmeister im 20 km Einzel 2017 eine große Rolle gespielt zu haben. Alle drei können sich an einen Tag zu Beginn ihrer Laufbahnen erinnern, an dem sie etwas Entscheidendes vergessen hatten. Skardino erinnert sich an ihren ersten Start im BMW IBU Weltcup: „Bei meinem ersten Weltcup war ich sehr nervös und habe vergessen, mein Gewehr mit zum Start zu bringen. Zum Glück hat mich der Kampfrichter im Startbereich an mein Gewehr erinnert, ich habe es geholt und bin dann mit Gewehr gestartet!“ Bei Yurlova-Percht war es ähnlich: „Ich habe vergessen, mein Gewehr mitzubringen und war dann 15 Sekunden zu spät am Start. Bailey hingegen kam zum Start und lief die erste Runde, aber: „Ich hatte vergessen, Magazine mitzunehmen und kam ohne Munition zum Liegendschießen!“

Khalilis erste Medaille

Der sechsfache Medaillengewinner bei IBU YJWCHs und russische Nachwuchs-Star Said Karimulla Khalili gewann bei seinem ersten internationalen Rennen bei den Jugend-Winterspielen von Lillehammer eine Medaille, obwohl seine Biathlon-Kompetenzen und Erfahrung eher überschaubar waren. „Bis dahin war ich kein besonders guter Biathlet. In dem Sommer habe ich beschlossen, viel Zeit mit Schießen zu verbringen ... die Jugend-Winterspiele waren mein Ziel. Da werden pro Land nur zwei Athleten ausgewählt, also wusste ich, dass das sehr schwer wird ... als ich dort die erste Medaille gewonnen habe, dachte ich, das ist erst der Anfang ... Denn danach habe ich bei den Jugend- und Juniorenweltmeisterschaften viele Medaillen gewonnen.“

Domracheva und die Strafrunde

Darya Domracheva hatte auf ihrem Weg zu vier olympischen Goldmedaillen und dem Sieg im Gesamtweltcup nicht nur mit Strafrunden, sondern auch mit anderen Herausforderungen zu kämpfen. Sie schlug sich wacker als Skilangläuferin, bevor sie als Teenager zum Biathlon kam. Lachend erinnert sie sich an ihre ersten Jugendwettkämpfe in Khanty Mansiysk als 13-Jährige. „Ich habe furchtbar schlecht geschossen! Mein erstes Rennen war ein Sprint, und ich bin sieben Strafrunden gelaufen. In manchen Sprints danach waren es sogar neun oder zehn, glaube ich.“ Dass die Schießleistungen der jungen Domracheva so unbeständig waren, hatte seine Gründe. „Meine Stadt hatte gerade eine Biathlon-Schule gegründet, und Schießen stand nicht so oft auf dem Programm, vielleicht einmal im Monat. In diesen Anfangstagen gab es ständig Probleme mit Gewehren und Munition.“ Und das, liebe Biathlon-Fans, ist schon die ganze Geschichte: Ein verpatzter Start ist nur der erste Schritt auf dem Weg zu großen Siegen. Fotos: IBU/Christian Manzoni, Rene Miko, Evgeny Tumashov, IBU Archiv

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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