Nicht zu überhören: Wie Nové Město zur Biathlon-Hochburg wurde

Es gibt Weltcup-Austragungsorte – und dann gibt es Nové Město na Moravě. Diesen Ort, an dem die Tribüne tobt, der Wald zittert und Biathlon so ehrlich, so laut und so einzigartig gefeiert wird wie fast nirgendwo sonst. Wenn der Biathlon-Zirkus im Januar zurückkehrt, wird die Vysočina Arena erneut Schauplatz eines denkwürdigen Ereignisses: die hochspannenden Olympia-Testläufe vor Mailand-Cortina 2026. Wieder einmal blickt die Biathlon-Welt auf die kleine Stadt in Tschechien mit dem großen Sportsgeist.

Vysočina Arena: Ein modernes Biathlon-Zentrum im tschechischen Hochland

Am Rande der tiefen mährischen Wälder gelegen und umgeben von sanften Hügeln ist die Vysočina Arena ein Ort, an dem Kleinstadt-Charme auf Weltklasse-Biathlon trifft. Was als bescheidenes Langlaufzentrum seinen Anfang nahm, hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten zu einer der modernsten Anlagen des Biathlon-Sports entwickelt. Mit dem Neubau der Biathlon-Anlage 2006, initiiert vom Visionär Jiří Hamza, entstand auch ein neuer Stützpunkt für den tschechischen Biathlon, der neben einem festen Stadion, einem Schießstand mit 30 Bahnen auch eines der leistungsfähigsten Schneemanagement-Systeme Europas zu bieten hat – die Kapazität der Schneedepots liegt bei bis zu 60.000 m³, um auch in schwierigen Wintern Rennen austragen zu können.

„Keiner von uns hätte sich je träumen lassen, was aus Nové Město einmal werden würde. Für mich war der Wendepunkt der erste Weltcup 2012 – die Arena war zum Teil noch im Bau und trotzdem waren die Tribünen voll. Zwei erfolgreiche Weltmeisterschaften später ist die Vysočina Arena jetzt in einem hervorragenden Zustand – aber wir sind noch lange nicht fertig. Wir wollen uns immer weiterentwickeln“, so Jiří Hamza, Präsident der Tschechischen Biathlon Union.

Dank dieser kontinuierlichen Weiterentwicklung bleibt die Anlage immer erstklassig: breitere Strecken, flächendeckende LED-Beleuchtung, ein ausgebautes Stadion und renovierte Mannschaftsbereiche. Aber die wahre Stärke der Arena liegt in den Menschen hinter den Kulissen. Bei Großveranstaltungen wie Weltmeisterschaften sind fast 1.900 Menscheninvolviert – Organisatoren, Freiwillige, Kampfrichter, Techniker, Zulieferer, Sicherheitsdienst und Hilfskräfte – um in Nové Město eines der größten und effizientesten Biathlon-Events der Welt über die Bühne zu bringen.

Und neben der ganzen harten Arbeit und Logistik hat die Arena auch eine verspielte Seite: N und M, die schelmischen Waldgeister aus dem nahegelegenen Ochoza-Wald. Wie man sich erzählt, sind das zwei umtriebige Schlitzohren: N, der großgewachsene Kraftprotz und M, der schnelle und listige Kopf des Duos. Sie klauen Hühner, spielen Streiche und stellen in der Arena allerlei Schabernack an – so kennt und liebt man sie hier.

Ein kometenhafter Aufstieg

Die Arena gab ihr internationales Debüt 2007 mit den ersten Rennen im Europa-Cup, gefolgt von den Europameisterschaften 2008. Der wahre Durchbruch ließ nicht lange auf sich warten: Nové Město bekam den Zuschlag für die IBU Weltmeisterschaften 2013 – vor Oslo und Kontiolahti.

Seit dem Weltcup-Debut 2012 hat der Austragungsort neun BMW IBU Weltcups und 2024 eine zweite Weltmeisterschaft ausgerichtet. Ihren guten Ruf hat sich die Arena verdient – nicht nur wegen der Infrastruktur, sondern auch wegen der außergewöhnlichen Zuschauermassen: An einem normalen Weltcup-Wochenende liegen die Zuschauerzahlen meist bei knapp 90.000, bei den Weltmeisterschaften 2013 und 2024 kamen über 200.000 Fans und sorgten für ein mitreißende und spannungsgeladene Atmosphäre. Auch die Zukunft ist gesichert, denn Nové Město steht bis 2030 in jeder Saison auf dem Weltcup-Kalender.

Kein anderer Athlet beherrscht die Strecken hier so wie Johannes Thinges Bö, der in 29 Einzelrennen 10 Siege einfahren konnte, mehr als jede und jeder andere in der Geschichte der Arena. Norwegen führt mit acht Siegen in bisher 19 ausgetragenen Staffeln auch die Staffel-Statistik an.

Die tschechischen Athletinnen und Athleten haben hier ihre eigenen Glanzmomente erlebt. Unvergessen bleibt Gabriela Soukalovás erster und einziger Heimsieg für Tschechien beim Massenstart 2016. Den letzten Podestplatz für Tschechien erkämpfte Markéta Davidová 2020 mit Bronze im Sprint.

„Ich habe nur gute Erinnerungen an Nové Město. An meinen Massenstartsieg denke ich noch oft zurück – der tosende Jubel einer ausverkauften Vysočina Arena war elektrisierend. Meine Eltern und Freunde direkt im Anschluss zu treffen ist eine meiner schönsten Erinnerungen, da können selbst die olympischen Erfolge nicht mithalten. Und ich freue mich, dieses Jahr als Fan wieder mit dabei zu sein“, so Gabriela Soukalová.

Jenseits der Arena: Ausflugstipps für die Region

Die Vysočina-Region hat noch viel mehr zu bieten als erstklassigen Biathlon. Hier liegen gleich drei UNESCO-Welterbestätten. In Třebíč können Gäste die romanischen Basilika St. Prokop und eines der am besten erhaltenen jüdischen Viertel Europas erkunden. Telč begeistert mit seinem hübschen Renaissance-Marktplatz und dem Schloss, das sich in einem Ring friedlicher Teiche spiegelt. Und in Žďár nad Sázavou steht die Wallfahrtskirche Zelená Hora des heiligen Johannes von Nepomuk, die mit einem markanten sternförmigen Grundriss barocke und gotische Stilelemente vereint.

Wer sich mehr für Bewegung als für Geschichte interessiert, kommt in der Region auch auf seine Kosten: Mit dichten Wäldern, verschlungenen Pfaden und einem großen Wegenetz für Radler und Wanderer hat die Vysočina nur einen Katzensprung von der Arena viel zu bieten.

Fotos: Manzoni/IBU

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