Boe und Brorsson gewinnen Sprints in Raubichi

Mit der schnellste Laufzeit des Tages und aggressivem Schießen konnte sich der große norwegische Champion Tarjei Boe trotz eines Fehlers seine erste Goldmedaille bei den IBU Offenen Europameisterschaften in Weißrussland sichern. Jesper Nelin aus Schweden schaffte es mit fehlerfreiem Schießen und der Erfahrung aus 71 Starts im BMW IBU Weltcup auf einen zweiten Platz, nur 10,6 Sekunden hinter Boe. Ebenfalls ohne Fehler und mit 35,2 Sekunden Rückstand landete Dmitry Malyshko aus Russland auf Platz drei. Mona Brorsson aus Schweden schaffte es mit Nerven aus Stahl ohne Fehler zum Sieg im Feld der Frauen. Sie war 37,5 Sekunden schneller als Ekaterina Yurlova-Percht aus Russland, die einmal verfehlte, und 45,6 Sekunden schneller als ihre Mannschaftskameradin Hanna Oeberg, die zweimal danebenschoss.

Tarjei greift im Stehendanschlag an.

Im Einzelrennen hatte Tarjei Boe bei starkem Wind nicht nur dreimal verfehlt, sondern auch für die Vorbereitung lange gebraucht, was ihn Gold gekostet hatte. Unzufrieden mit diesem Resultat ging er den 10 km Sprint offensiv an.

„Heute war es fast völlig windstill, also war einen offensiverer Ansatz die beste Option,“ stellte Boe fest. „Ich hab im Liegendanschlag einmal verfehlt, bin aber bis zum Stehendschießen gelassen und schnell geblieben und habe da dann schnell und sauber geschossen. Das hat für mich glücklicherweise zu Gold gereicht und ich bin jetzt, gut zwei Wochen vor Beginn der IBU Weltmeisterschaften im schwedischen Östersund, mit meiner Form zufrieden. Ich glaube, körperlich und mental bin ich schon auf einem recht hohen Niveau. Mit der heutigen Leistung hätte ich im Weltcup nicht gewonnen, aber das Podest wäre in Reichweite gewesen.“

Nelin: Schießen gut, alles gut

Nelin ging das heutige Rennen mit einer ungekannten Souveränität an, so als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Er schoss zügig und sicher, traf alles, schaffte die zehntschnellste Schießzeit und war wie immer flott auf den Skiern, was ihm auch noch die drittbeste Laufzeit einbrachte.

„Ich bin mit dem heutigen Rennen sehr zufrieden,“ so Nelin. „Ich war am Schießstand sicher und wenn ich gut schieße, werden meist auch die Resultate gut, weil ich auf den Skiern normalerweise stark bin. Für mich und die ganze schwedische Mannschaft ist es bislang eine sehr gute Woche.“

Der Bronzemedaillengewinner Malyshko war mit seinem Schießen zufrieden, vor allem im Stehendanschlag, mit seiner Laufform allerdings weniger. „Es bleibt noch Zeit für Verbesserungen vor den IBU Weltmeisterschaften,“ stellte er fest.

Malyshko traf alles, musste aber warten, bis Aristide Begue im Ziel war, um sich seiner zweiten Medaille sicher zu sein, denn der Franzose war am Ende nur 0,4 Sekunden langsamer. „Ich musste lange warten, aber es hat sich gelohnt.“

Malyshko beobachtete auch seine russischen Mannschaftskameraden genau, denn die Männer hatten beim BMW IBU Weltcup 4 in Oberhof die Männerstaffel gewonnen und werden in Schweden eines der stärksten Teams sein. 

„Wollen wir hoffen, dass es nicht wieder ein vierter Platz wird,“ sagte Malyshko zu Russlands Staffelchancen in einigen Wochen.

7,5 km Sprint der Frauen

Sieg für Brorsson

Brorsson hatte schon beim schwedischen Sieg in der gemischten Staffel ihre gute Form demonstriert. Heute ging sie mit der frühen Startnummer 10 ins Rennen und konnte den Konkurrenzdruck ihre Sache machen. Nach ihrem ersten Besuch am Schießstand stand keine Scheibe mehr, und mit diesem unsichtbaren Motivationsschub beschleunigte sie auf der Strecke weiter. Sie behielt im Stehendanschlag die Nerven und musste dann im Ziel abwarten, wie sich Oeberg und Yurlova-Percht schlagen.

„Ich habe seit einer Weile das Gefühl, dass meine Leistungskurve ansteigt,“ sagte Brorsson, deren bestes Sprintergebnis auf BMW IBU Weltcupniveau bislang ein 12. Platz im österreichischen Hochfilzen war. „Das war vermutlich mein bestes Einzelrennen in dieser Saison. Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt meine Form momentan bei 8, würde ich sagen.“

Silber für Yurlova-Percht an ihrem 34. Geburtstag

Yurlova-Percht lag nach dem ersten Schießen nur 6,2 Sekunden hinter der schnellsten Oeberg und ging das Rennen an ihrem 34. Geburtstag mit großem Elan an.

„Wie die Schwedinnen habe ich die BMW IBU Weltcups in Kanada und den USA ausgelassen und war mir nicht sicher, wie meine Form ist,“ so Yurlova-Percht. „Deswegen ist es ein befriedigendes Gefühl, heute eine Silbermedaille zu gewinnen. Ich habe einmal verfehlt, habe es aber geschafft, alle drei Runden gleichmäßig zu laufen.“

Oeberg war mit ihrer Tagesform nicht wirklich zufrieden, doch damit war etwas mehr als zwei Wochen vor Östersund zu rechnen gewesen. Zu wissen, dass auch Mona ein gutes Rennen lief, machte das Rennen auch für sie spannender. 

„Ich hab Mona laufen sehen und hatte das Gefühl, dass sie heute die ist, die es zu schlagen gilt,“ sagte Oeberg. „Ich bin gut ins Rennen gekommen, aber ich merke, dass wir mitten in einem kürzeren Vorbereitungszyklus stecken. Ich habe mir im Stehendanschlag mehr Zeit gelassen, aber das hat nicht wirklich geholfen. Die Bronzemedaille ist aber immer noch ein gutes Ergebnis für mich.“

Yurlova-Percht wird morgen als Erste ins Rennen starten, da die schwedische Mannschaft schon vorher beschlossen hatte, die Verfolger ausfallen zu lassen und zuhause weiter zu trainieren.

Foto: IBU/Christian Manzoni

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