Vorschau Damen 2022/23

Der Kampf um die Spitze in der kommenden BMW-IBU-Weltcup-Saison 2022/23 bei den Frauen ist noch lange nicht entschieden, und bis Kontiolahti sind es nur noch etwa zwei Wochen. Die Ergebnisse und Titel des letzten Jahres sind Geschichte; der Spitzenplatz ist wieder zu haben. Die Titelverteidigerin im Gelben Trikot und mehrfache Olympiasiegerin Marte Olsbu Røiseland erklärte: "Was ich bei den Olympischen Spielen geleistet habe, spielt keine Rolle. So ist das im Sport: Man erreicht ein Ziel und macht weiter.“

Die Anwärterinnen

Acht der zehn besten Frauen der letzten Saison kehren zurück und kämpfen erneut um die Große Kristallkugel. Olsbu Røiseland und Elvira Öberg haben das Feld weit hinter sich gelassen, aber es gibt noch viele andere große Namen, die wieder an die Spitze wollen. Dazu ein paar Frauen, die ihnen dazwischenfunken könnten, und ein paar Wildcards, und von November bis Mitte März wird es einen spannenden Kampf um die Spitze geben.

Marte Olsbu Røiseland

Nachdem sie die Gesamtwertung 2020/21 nicht gewinnen konnte, hatte Olsbu Røiseland Peking im Visier, aber das Schicksal wollte es anders: "Mein Hauptziel waren die Olympischen Spiele; ich war so fokussiert; es war ein großer Erfolg. Dann kam der Weltcup, und den konnte ich auch noch gewinnen. Ich war etwas überrascht." Nach einem durchwachsenen Sommer ist sie sich noch nicht sicher, ob sie in Kontiolahti an den Start gehen wird, und sagte nach ihrem Fehlen beim norwegischen Saisonauftakt: "Ich hoffe immer noch, dass ich Ende des Monats in Kontiolahti an der Startlinie stehen werde." Trotz ihres Talents, beeindruckender Statistiken (91 % Treffsicherheit), fünf OWS-Medaillen und drei Kristallkugeln könnte der erneute Gesamtsieg etwas überambitioniert sein. Höchstwahrscheinlich ist die IBU-Weltmeisterschaft im Februar ihr Ziel.

Header icon2022/23 Season Preview: Women to Watch

Elvira Öberg

Diese Favoritenrolle geht an Elvira, den Neustar der letzten Saison. Sie steigerte sich von null Weltcupsiegen auf fünf, stand insgesamt zehnmal auf dem Podest, holte eine olympische Gold- und zwei Silbermedaillen. Elvira erwies sich als reifer als ihre 23 Jahre. Der schwedische Cheftrainer Johannes Lukas erklärte: "Dass sie zwei Medaillen bei ihren ersten Olympischen Spielen gewonnen hat, zeigt, dass sie mental (und auch körperlich) stark war... Sie hat das Energieniveau die ganze Saison über gehalten." Die junge Schwedin verdankt ihren Erfolgt ihrer Stärke auf der Strecke und ihrer Treffsicherheit von 84 %. Elvira dominierte die schwedischen Sommermeisterschaften, ließ aber in Ruhpolding etwas nach. Lukas gab zu, dass es sein Ziel sei, dass Elvira "über die gesamte Saison ein stabiles Niveau hält. Ihre größte Herausforderung ist es, ihre Einstellung beizubehalten; Spaß zu haben, nicht so viel zu denken..." Wenn das gelingt, werden ihre Konkurrentinnen nach Luft schnappen.

Lisa Theresa Hauser

Hauser hatte nicht die gleiche Saison wie 2020/21 mit sieben Podestplätzen und zwei Siegen, war jedoch konstant und landete mit sechzehn Top-Ten-Ergebnissen im letzten Winter unter den Top-3. Am Schießstand war sie schon immer solide, und in den letzten beiden Saisons zeigte sie auf der Strecke stellenweise ein schönes Tempo. Hauser sagte vor der letzten Saison: "Jetzt bin ich ruhiger und habe mehr Selbstvertrauen. Ich weiß, wozu ich fähig bin und was möglich ist." Diese drei Faktoren werden darüber entscheiden, ob sie wieder regelmäßig auf dem Podest steht und um einen Platz an der Spitze kämpft.

Hanna Öberg

Hannas vierter Platz in der dritten Saison in Folge war ein unbefriedigendes Ergebnis, und mit nur einem einzigen Sieg in Östersund und vielen Strafpunkten bei den Einzelwettkämpfen in Peking blieb sie hinter den Erwartungen zurück. Die Goldmedaille in der olympischen Staffel war der einzige Trost. Hannas Visitenkarte vor dem letzten Jahr war ihre Treffsicherheit, die allerdings von 85 % auf 79 % abfiel – nur am 28. November schoss sie fehlerfrei. Zu Beginn des Sommers beschrieb Lukas Hanna als "wirklich hungrig nach der letzten Saison. Wenn sie sich auf das Wesentliche besinnt, wird es zwischen ihr und Hanna einen harten Kampf um den Gesamtsieg geben." Zwei Schwestern, die sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die große Kristallkugel liefern?

Die großen Herausforderinnen

Die Top Fünf werden im März 2023 wahrscheinlich anders aussehen als letztes Jahr. Herrmann-Wick, Wierer und Lisa Vittozzi wirken bereit für eine gute Saison, was die Spannung noch erhöht.

Denise Herrmann-Wick

Herrmann-Wick konzentriert sich auf Oberhof und sagte im Frühsommer: "Der Gesamtsieg ist dieses Jahr nicht das Hauptziel, wenn wir die Heim-WM haben." Sie startet mit einem neuen Gewehr in die Saison und will besser schießen: "Das erste Ziel ist ein höherer Prozentsatz. Im Liegendschießen bin ich nicht so langsam, aber der erste Schritt ist, die Scheiben zu treffen." Die 83% der Deutschen im letzten Jahr waren ein Karrierehöchstwert; ein paar Punkte mehr machen sie zu einer regelmäßigen Podestanwärterin. Hermann-Wick hat wieder zu ihrem hohen Tempo auf der Strecke zurückgefunden: "Im letzten Trimester war ich wieder die alte Denise". Die "alte Denise" könnte ungewollt im Kampf um die Große Kristallkugel mitmischen

Dorothea Wierer

Nach monatelangen Spekulationen wird Wierer bei einer weiteren BMW-IBU Weltcup-Tour dabei sein. Die olympische Saison war nicht ihre beste, aber sie hat ein Karriereziel erreicht: eine olympische Einzelmedaille. Wierer hatte die ganze Saison über mit Problemen wie Schlaflosigkeit zu kämpfen, und ihre Treffsicherheit ließ um 3% nach. In diesem Sommer trainierte Wierer hart mit der Männermannschaft und zeigte dabei beeindruckende Leistungen. Bei der IBU SBWM gewann sie Gold im Super Sprint und im Gala Massenstart und traf 28 von 30 Scheiben. Wierer kehrt zurück, um erfolgreich zu sein. In Ruhpolding sagte sie: "In den letzten beiden Jahren war ich im Sommer gut in Form, im Winter jedoch nicht so. Ich hoffe, dass ich im Winter in Bestform bin."

Lisa Vittozzi

Wierers 27-jährige Teamkollegin Lisa Vittozzi hat in der Vergangenheit viele und gut dokumentierte Probleme und Misserfolge gehabt und hat sich dennoch nicht unterkriegen lassen. Vittozzis Talent ist ungebrochen; das Training in einer neuen Gruppe, die von Jonne Kähkönen und Mirco Romanin betreut wird, hat ihr neuen Schwung verliehen. Die 74 % Treffsicherheit der letzten Saison wirken nur noch wie eine ferne Erinnerung, und die Gold- und Silbermedaillen in Ruhpolding zauberten ihr ein breites Lächeln ins Gesicht. Ihre Kommentare an jenem Tag spiegeln eine neue Einstellung wider; der Schlüssel zu einem herausragenden Winter: "Ich bin wirklich sehr, sehr glücklich. Endlich hatte ich ein gutes Rennen. Ich glaube an mich selbst. Für den Moment bin ich zufrieden und werde weiter alles geben.“

Spielverderberinnen Anais, Marketa und Julia

Chevalier-Bouchet wurde Fünfte in der Gesamtwertung, eine persönliche Bestleistung. Ohne großen Rummel, Druck oder Fanfaren hat sie in aller Stille ihre bisher beste Saison mit vier Podestplätzen, elf Blumenzeremonien und zwei olympischen Medaillen hingelegt. Chevalier-Bouchet schoss dreimal fehlerfrei und kassierte elfmal nur eine einzige Strafe. Ihr Erfolg war wie der von Hauser eine Frage der Konstanz. Zwei zweite Plätze bei der französischen Sommertour im September zeigten, dass Chevalier-Bouchet weiterhin auf dem richtigen Weg ist.

Marketa Davidova

Marketa Davidova belegte bei der WCTS den 10. Platz und sicherte sich damit die Kristallkugel in der Weltcup-Einzelwertung. Die 25-jährige Tschechin, die für ihre Schnelligkeit auf den Ski bekannt ist, steigerte ihre Treffsicherheit auf 83 %, und nach einer Reihe erfolgreicher Sommerevents deuten alle Zeichen auf eine große Saison hin...

Julia Simon

Wie Davidova könnte auch Julia Simon den großen Namen dazwischenfunken. Simon ist auf der Strecke extrem gefährlich. Ein guter Schießtag wie bei ihrem Sieg im Sprint von Otepää, und sie wird häufig auf dem Podest stehen. Die sehr ehrgeizige Simon ist dafür bekannt, dass sie weit über den roten Bereich hinaus in den "schwarzen Bereich" fährt, um es aufs Podest zu schaffen. Wie auch ihre Teamkollegin Justine Braisaz-Bouchet ist ihre Leistung am Schießstand wechselhaft, wird aber immer besser, wie Ende September, als sie ihren Titel im französischen Sommersprint vor Chevalier-Bouchet verteidigte, die Verfolgung am nächsten Tag gewann und in beiden Wettkämpfen 29 von 30 Scheiben traf. Tage wie dieser werden sie im Weltcup zu einer ernstzunehmenden Podestanwärterin machen.

Wildcard Vanessa

Es gibt viele potenzielle "Wildcards", aber Vanessa Voigt hat zweifellos eine Erfolgssträhne. Bei dem einzigen Podestplatz ihrer Karriere, einem zweiten Platz ohne Schießfehler, lag sie nur 11 Sekunden hinter Simon in Otepää. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn bei ihren drei Wettkämpfen in Otepää saß jeder Schuss; dazu kommen noch Sprint und Verfolgung in Kontiolahti in der Vorwoche: 70 Schüsse abgegeben, und nur zwei Fehlschüsse! Die IBU-Cup-Gesamtsiegerin von 2021 beendete ihre erste komplette Weltcup-Saison mit einer Treffsicherheit von 90 % am Schießstand. Derartige Statistiken und ein solider Trainingssommer lassen einen Winter mit weiteren Podestplätzen und möglicherweise WM-Sieg Nummer 1 erwarten. Diese Gruppe talentierter Damen wird die Saison 2022/23 zu einer der spannendsten BMW-IBU-Weltcup-Saisons in letzter Zeit machen.

Fotos: IBU Photopool

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