Vorschau Massenstart: Sechste Medaille für Quentin?

Am Freitag enden die Biathlonwettkämpfe bei den Olympischen Winterspielen 2022 mit den Massenstarts der Frauen und Männer. Zwei spannende Fragen brennen uns noch unter den Nägeln: Kann Quentin Fillon Maillet noch eine Medaille gewinnen und seinen Medaillenrekord noch verbessern? Wird Marte Olsbu Röiseland die erste Frau überhaupt, die bei einer einzigen Olympiade drei Einzeltitel holt?

Beide haben gute Chancen, im Schatten der Chinesischen Mauer diese Rekorde zu brechen, aber auch die Konkurrenz schläft nicht.

Französische Stars, norwegische Stars und ein Deutscher

Benedikt Doll führt die Massenstartwertung im Weltcup nach seinem klaren Sieg in Antholz über JT Bö und Sturla Holm Lägreid bei Fillon Maillets Aussetzer mit sechs Strafrunden an.

Momentan hat Fillon Maillet wohl die Nase vorn, weil er in Rennen mit vier Schießen so gut ist und auch als Schlussläufer bei der Staffel immer noch einen frischen Eindruck machte. Mit zwei Goldmedaillen in der Tasche und großem Ehrgeiz, die Serie fortzusetzen, ist er auch mental im Vorteil. Seine Trefferquote liegt mit 88 % einen Hauch höher als die von JT und Sturla. Sein Mannschaftskamerad Emilien Jacquelin gewann den Massenstart in Annecy Le Grand Bornand und ist immer für eine Überraschung gut, vor allem, weil er auf der Strecke immer noch zu den Schnellsten gehört.

JT hat noch nie bei Winterspielen einen Massenstart gewonnen oder eine Medaille geholt, hat aber zwei Kristallkugeln aus dem Weltcup für diese Disziplin daheim und würde den Sieg sicher auch gern holen. Er ist auf der Strecke momentan der Schnellste, also wird es für ihn um Treffer und Konzentration gehen. Tarjei Bö wirkte in der Staffel schon etwas müde, könnte also entweder zurückfallen oder uns mit seiner Zähigkeit erneut überraschen. Lägreid hat das Zeug zum Sieg, hat noch keinen Titel geholt und könnte hier noch mal angreifen.

Dann ist da noch Doll, der noch keine Medaille hat, aber bei jedem Rennen vorne mitspielt. Für ihn kommt es aufs Schießen an. Und mit der schnellsten Laufzeit und der viertschnellsten Schießzeit in der Staffel ist auch Alexander Loginov plötzlich wieder da. Diese Gruppe allein dürfte es schon spannend machen, und dann sind da ja auch noch 23 andere talentierte Männer, die Medaillen wollen!

Wieder ein Duell Marte/Elvira?

Der Massenstart der Frauen am Freitagmorgen könnte uns ein erneutes Duell zwischen Olsbu Röiseland und der ungestümen 22-Jährigen Elvira Öberg bringen, die zweimal hinter der Norwegerin Silber holte und die Schlussläuferin in Schwedens Goldstaffel war. Die Olympiasiegerin in Sprint und Verfolgung ist im Vorteil, vor allem mit ihrer unfassbaren Trefferquote von satten 93 % am Schießstand. Kombiniert mit ihre Laufstärke hier scheint ihr die dritte Goldmedaille in einem Einzelwettkampf sicher. Sowohl sie als auch Elvira haben in dieser Saison allerdings erst einen Massenstart absolviert. Elvira gewann ihren in Frankreich, während ihre norwegische Widersacherin mit zwei Fehlern Sechste wurde, das aber mit nur 19 Sekunden Rückstand. Wenn beide gut schießen, könnte es einen legendäres Laufduell auf der Schlussrunde geben.

Dazwischenfunken könnte zum Beispiel die beharrliche Italienerin Dorothea Wierer, die in Antholz gewann, als sowohl die Norwegerin als auch die Schwedin zum Training in Peking waren. Wierer wirkte in der verschneiten, windigen Verfolgung ermattet, aber stark in der Staffel. Sie könnte taktisch laufen, in der Führungsgruppe mitschwimmen und sich mit ihrem Schießen aufs Podest mogeln. Tiril Eckhoff gewann zwei Bronzemedaillen im Massenstart in Folge. Ihre unerwartete Bronzemedaille in der Verfolgung könnte genau der Zündfunke seiner, den sie braucht. Eckhoff hat die nötige Laufstärke, wenn die Scheiben alle fallen.

Dazu kommt natürlich die IBU Weltmeisterin 2021, Lisa Theresa Hauser, die schon mehrfach knapp am Podest vorbeischrammte und sich mit ihrem Schießen ins Spiel bringen könnte, und auch Linn Persson und Hanna Öberg dürfen hier nicht fehlen.

Viele Namen, viele mögliche Szenarien für diese letzten zwei Wettkämpfe in Peking 2022. Wem es gelingt, noch einmal alles zusammenzubringen, der bekommt die Chance, Rekorde zu brechen und sich einen olympischen Traum zu erfüllen.

Fotos: Christian Manzoni

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