Adieu, auf Wiedersehen, adjö, goodbye: Rücktritte 2022

In Olympia-Jahren gehen viele Sportlerkarrieren zu Ende, und auch 2022 war hier keine Ausnahme. Eine große Zahl gestandener Biathletinnen und Biathleten hängte das Gewehr an die Wand. All diesen Mitgliedern der großen Biathlon-Familie sagen wir „adieu, auf Wiedersehen, adjö, goodbye“ und wünschen ihnen alles Gute für den nächsten Lebensabschnitt.

Erik Lesser

Der erste Podestplatz für den Deutschen Erik Lesser war ein zweiter Platz im 15 km Junioren-Einzel beim IBU Cup im Dezember 2007. Bis zu seinem Abschied hatte er im BMW IBU Weltcup 45 Mal in Einzel- und Staffelrennen auf dem Podest gestanden. Berühmt-berüchtigt für seine humorvollen und unverblümten Äußerungen gegenüber den Medien und seine brillanten Schießkünste setzte Lesser im letzten Trimester dieser Saison noch einmal ein Ausrufezeichen hinter eine Karriere, in der er 2014 zwei olympische Silbermedaillen und 2015 Gold in der Verfolgung bei den IBU Weltmeisterschaften gewonnen hatte. Zum krönenden Abschluss traf Lesser mit 104 seiner letzten 110 Schuss in Einzelrennen ins Schwarze, gewann die Verfolgung von Oslo, wurde Zweiter in der Verfolgung von Kontiolahti und mit Franziska Preuss Dritter in der Single-Mixed-Staffel von Otepää.

Selina Gasparin

Die Schweizerin Selina Gasparin, die in den letzten sieben Jahren den Spagat zwischen Mutterschaft und Profi-Sport perfektioniert hatte, verabschiedete sich von einer Biathlon-Karriere, die 2004 begonnen hatte. Sie hinterlässt im Schweizer Wintersport ein beachtliches Erbe, ist sie doch die erste und bislang einzige Schweizerin, die eine Olympia-Medaille im Biathlon gewinnen konnte: Silber im 15 km Einzel der Frauen in Sochi. Sie und ihre Schwestern Elisa und Aita machten drei Viertel der ebenso historischen Schweizer Frauenstaffel aus, die in der Saison 2019-20 gleich dreimal auf dem Podest stand.

Benjamin Weger

Gasparins Mannschaftskamerad Benjamin Weger gewann nach seiner Silbermedaille im Sprint bei der IBU JJWM 2009 keine weitere Medaille mehr, der Schweizer Veteran stand aber im Laufe der Jahre fünfmal auf dem Podest. Ein Höhepunkt waren die Winterspiele 2018 in Pyeongchang, wo er sowohl im 20 km Einzel als auch in der Verfolgung den sechsten Platz belegte.

Dominik Windisch

Der Italiener Dominik Windisch verabschiedet sich als meistdekorierter italienischer Biathlet bei den Männern von seinem Sport. 2018 gewann er olympische Bronzemedaillen in Sprint und gemischter Staffel, 2014 Bronze mit der gemischten Staffel. Windischs erlebte seinen größten Moment bei den IBU Weltmeisterschaften 2019, als er im Massenstart auf Rang 13 liegend zum letzten Stehendschießen kam, alle Scheiben traf, das Feld hinter sich ließ und zu Gold lief.

Simon und Anais

Der Franzose Simon Desthieux gehört zur erlesenen Gruppe der Athletinnen und Athleten, die Goldmedaillen bei Olympischen Winterspielen, IBU Weltmeisterschaften und IBU Juniorenweltmeisterschaften gewonnen haben. Desthieux, Stammbesetzung in französischen Staffeln, stand 29-mal auf dem Podest und holte zwei Siege im BMW IBU Weltcup in der Saison 2020/21.

Desthieux‘ Mannschaftskameradin Anais Bescond debütierte im Jahr 2004 im IBU Cup und beendete ihre Karriere nach insgesamt 365 Rennstarts. Über die 16 Jahre ihrer Karriere gewann Bescond acht Medaillen bei IBU Weltmeisterschaften, doch das Highlight ihrer Karriere waren zweifellos die Winterspiele 2018 in Pyeongchang, wo sie Gold mit der gemischten Staffel plus Bronzemedaillen in Staffel und Verfolgung gewann. Bescond glänzte in Staffeln und liebte diese Disziplin. Mit ihrem Team stand sie ganze 43 Mal auf dem Podest, ihren letzten Einzelpodestplatz holte sie vor begeistertem heimischem Publikum 2021 in Annecy Le Grand Bornand.

Mehr über diese französischen Stars demnächst in weiteren Artikeln.

Susan Dunklee, Clare Egan

Susan Dunklee und Clare Egan, über lange Jahre zwei feste Größen der US-Mannschaft, hängten nach dieser Saison das Gewehr an die Wand. Einen ausführlichen Bericht über den Generationenwechsel im US-Biathlon finden Sie hier.

Egan and Dunklee Retire; US Team Looks Forward

Aus Dunklees und Egans Mannschaft beendeten außerdem Leif Nordgren, Bronzemedaillengewinner bei der IBU Jugend-WM 2008, dreifacher Olympionike und regelmäßiger Weltcup-Starter, sowie Hallie Grossman, die überwiegend im IBU Cup startete, ihre Karriere.

Klemen Bauer

Der Slowene Klemen Bauer stieg nach einem internationalen Debut bei den IBU Juniorenweltmeisterschaften 2002 in den IBU Cup auf und fuhr dort mehrere Siege ein, bevor er 2007 Bronze bei der Junioren-WM gewann und ganze 399 Starts im BMW IBU Weltcup absolvierte. Die Highlights von Bauers Karriere waren ein knapper vierter Platz im Olympia-Sprint 2010 und eine Silbermedaille mit der gemischten Staffel bei den IBU Weltmeisterschaften 2012.

Eva Puskarcikova

Die Tschechin Eva Puskarcikova war Teil der tschechischen Frauenmannschaft, die zu Hochzeiten zwischen 2014 und 2016 vier Frauenstaffelrennen gewann. Sie beendet ihre Biathlon-Karriere mit einer kürzlich hochgestuften olympischen Staffel-Bronzemedaille aus dem Jahr 2014 und einer Bronzemedaille mit der gemischten Staffel von der IBU WM 2020.

Bei den Männern trat außerdem der Sochi-Olympionike Tomas Krupcik zurück.

Amanda Lightfoot aus Großbritannien, über lange Jahre die einzige Britin im BMW IBU Weltcup, beendete eine 15-jährige Karriere mit Starts bei den Olympischen Winterspielen 2014 und 2018 nach einer persönlichen Bestleistung mit Platz 20 im 15 km Einzel von Antholz 2022.

Der Belgier Tom Lahaye-Goffart, der überwiegend im IBU Cup angetreten war, beendete seine aktive Laufbahn nach drei Starts bei den Olympischen Winterspielen in Peking.

Auch zwei estnische Veteranen verließen den Sport nach langen Karrieren. Die Karriere der zweifachen Olympiateilnehmerin Kadri Lehtla begann bereits 2007 mit 217 Weltcupstarts. Kalev Ermits nahm in seiner neunjährigen Weltcup-Karriere an drei Olympischen Winterspielen teil.

Hammerschmidt und Horchler

Maren Hammerschmidt gewann 2008 den Sprint bei der IBU Jugend-WM und zwei Jahre später den Sprint bei der IBU Junioren-WM. Sie holte zwei individuelle Podestplätze und fuhr mit der Frauenstaffel sechs Siege im Weltcup ein, darunter auch bei der IBU Weltmeisterschaft 2017, als die deutschen Frauen Gold gewannen.

Ihre Mannschaftskameradin Karolin Horchler, Gesamtsiegerin und Sprintsiegerin im IBU Cup 2017/18 und Siegerin in der Einzelwertung im IBU Cup 2016/17 erklärte nach 14 Jahren im internationalen Biathlon ihren Rücktritt.

Die Polin Magdalena Gwizdon begann ihre Karriere am 9. Dezember 1995 in Östersund und beendete sie am 11. März 2022 mit einer Rekordzahl von 529 Starts. Sie trat bei vier Olympischen Winterspielen an und holte zwei Siege im Weltcup. Auch Gwizdons Mannschaftskameradin Karolina Piton verließ die Mannschaft nach einer 18-jährigen Karriere.

Schweden: Högberg, Andersson und Stenersen

Die schwedische Mannschaft verlor drei erfahrende Mitglieder: Bettan Högberg, Torstein Stenersen und Ingela Andersson. Högberg trat bei zwei Olympischen Winterspielen an, ihre beste Saison hatte sie aber im Jahr 2020, als sie im IBU Cup die Gesamtwertung, die Sprintwertung und die Verfolgungswertung gewann. Auch Andersson feierte ihre größten Erfolge im IBU Cup, wo sie mehrere Rennen gewinnen konnte, während Stenersen Teil der siegreichen schwedischen Männerstaffel beim Weltcup in Hochfilzen 2018 war.

Zwei kanadische Olympioniken beendeten ihre Karriere: Scott Gow und Megan Bankes. Gow, der 2016 bei der IBU WM Bronze mit der Staffel gewann, beendete seine letzte Saison mit den zwei besten Ergebnissen seiner Karriere, einem 4. Platz im 20 km Einzel von Östersund und einem 5. Platz im olympischen 20 km Einzel in Peking. Bankes, die bei der IBU Junioren-WM 2017 Gold gewonnen hatte, beendete ihre Karriere nach ihrem Auftritt bei den Winterspielen von Peking.

Die meisten Rücktritte gab es bei der japanischen Mannschaft, wo unter anderem Kosuke Ozaki, Tsukasa Kobonoki, Sari Maeda, Yurie Tanaka und Asuka Hachisuka ihre Karriere beendeten.

Fotos: IBU/Christian Manzoni

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