Comeback-Sieg und Double für Giacomel in Oberhof

Nach seinem emotionalen Sprinterfolg am Donnerstag sicherte sich der Italiener Tommaso Giacomel in 37:15,4 Minuten auch den Sieg in der Verfolgung über 12,5 km. Dabei lag er nach dem dritten Schießen noch 56 Sekunden zurück. Selbst sechs Schießfehler, mit denen er bei den meisten Wettkämpfen wohl nicht einmal vom Podium hätte träumen können, konnten ihn heute nicht aufhalten. Obendrauf übernahm er die Führung in der Weltcup-Gesamtwertung.

Trotz Sieg nicht zufrieden

Nach insgesamt sechs Strafrunden ging Giacomel trotz fehlerlosem letzten Schießen hart mit sich ins Gericht: „Oberhof ist so etwas wie die große Schule des Biathlon. Jeder weiß, auch ich, dass sechs Fehler eigentlich miserabel sind. Ich habe den Sieg mit meiner Leistung heute gar nicht verdient, stehe aber trotzdem ganz oben auf dem Treppchen. So ist es eben.“

Anerkennung für Botn

Durch seinen Sieg schlüpfte Giacomel als erster Italiener seit 34 Jahren ins Gelbe Trikot. Dazu meinte er: „Ja, ich werde in Ruhpolding das Gelbe Trikot tragen. Aber der aktuell stärkste Biathlet ist meiner Meinung nach Johan-Olav Botn. Er kann in Oberhof nicht dabei sein. Ich hätte das Gelbe Trikot lieber auf der Strecke gegen ihn geholt und nicht, weil er krankheitsbedingt passen muss. Das ist etwas schade. Aber ich bin sicher, dass wir uns in den nächsten Rennen viele gute Fights liefern werden.“

Martin Uldal (Norwegen), der als Führender zum letzten Schießen kam und dann drei Scheiben verfehlte, landete nach vier Strafrunden 4,5 Sekunden hinter Giacomel auf dem zweiten Platz. Dritter wurde der Schwede Sebastian Samuelsson, der sich ebenfalls sechs Fehler leistete und nach dem dritten Schießen über eine Minute hinter der Spitze lag. Doch er flog förmlich über die 2,5 km lange Schlussrunde und kam noch bis auf 8,8 Sekunden an den Sieger heran.

Uldals Teamkollege Johannes Dale-Skjevdal wurde nach fünf Strafrunden Vierter (+11,4 Sekunden). Fünfter wurde der Schwede Martin Ponsiluoma, der ebenfalls sechsmal kreiseln musste (+12,4 Sekunden), gefolgt von Quentin Fillon Maillet (sechs Fehler, +14 Sekunden) auf Rang sechs.

Fehlerfestival in Oberhof

Nach einem wetterbedingten Ruhetag hieß Oberhof die Biathleten bei -8 °C und einigen Windböen zum ersten Verfolger 2026 willkommen. Der Wind machte den Athleten beim ersten Liegendanschlag arg zu schaffen und sollte auch im weiteren Rennverlauf nicht nachlassen. Insgesamt 238 Fehlschüsse ließen den Wettkampf zu einem wahren Fehlerfestival werden. Im ersten Anschlag verfehlte Giacomel zwei Scheiben, Nawrath eine. Damit ging der Deutsche mit 14 Sekunden Vorsprung gegenüber dem Italiener und Uldal auf die zweite Runde.

Im zweiten Liegendanschlag schoss er einmal daneben, blieb aber in Führung. Dahinter räumte Dale-Skjevdal alle fünf Ziele ab und schob sich mit 16 Sekunden Rückstand auf Rang zwei. Weitere 10 Sekunden dahinter folgte Uldal.

Das Stehendschießen stellte die Spitze vor große Herausforderungen. Mit drei Fehlern verlor Nawrath seine Führung, während Uldal blitzsauber alle Scheiben traf und sich an Position eins setzte. Dale-Skjevdal lag mit 39 Sekunden Rückstand auf Rang drei.

Header icon2025/26 BMW IBU World Cup 4 Oberhof Men's 12.5 km Pursuit

Fehlerfreier Giacomel übernimmt Führung

Als Uldal im letzten Schießen des Tages dreimal danebenschoss, öffnete sich plötzlich die Tür für Giacomel. Der Italiener, der nach dem dritten Schießen noch 56 Sekunden Rückstand hatte, übernahm durch eine fehlerlose Serie die Führung.

Auf der Schlussrunde ließ der Sprintsieger vom Donnerstag einmal mehr sein Herz in der Loipe und Verfolger Uldal nicht mehr herankommen. Dahinter entspann sich ein spannender Kampf um Platz drei. Nach einer fabelhaften Schlussrunde schob sich Samuelsson, der nach dem letzten Schießen mit 27 Sekunden Rückstand Sechster war, schließlich noch aufs Podest.

Fotos: IBU/Heilwagen, Yevenko, Nordic Focus

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