Vorschau auf die Saison 2022/23: Staffeln im Fokus

In der Vorsaison trumpfte eine Nation einmal mehr in den Staffel- und Mixed-Wettbewerben auf – Norwegen. Norwegische Teams gewannen zwölf von 17 Wettkämpfen, darunter bei den Olympischen Winterspielen. Die traditionsreiche Biathlonnation sicherte sich den Titel in der Staffel-Gesamtwertung der Männer und in der Mixed-Wertung. Nur bei den Frauen hatten die Schwedinnen die Nase vorn.

Trotzdem blieb Norwegen das Maß aller Dinge: fünfter Gesamterfolg hintereinander bei den Männern, vierter in Serie im Mixed-Wettbewerb. Auch die starken Schwedinnen konnten ihren Titel verteidigen. Eine Woche vor Beginn der neuen Saison im BMW IBU-Weltcup deuten einige Zeichen darauf hin, dass diese Serien auch im kommenden Winter eine Fortsetzung finden könnten ...

STAFFEL MÄNNER

Header icon2022/23 Relays Preview

Norwegen

Die norwegischen Männer gewannen in der vergangenen Saison alle Staffelwettbewerbe mit Ausnahme von Ruhpolding, wo sie mit dem IBU-Cup-Team auf Rang 7 kamen. Abgesehen davon ließ das magische Quartett um Sturla Holm Lægreid, Tarjei und Johannes Thingnes Bø sowie Schlussläufer Vetle Sjåstad Christiansen nichts anbrennen und holte sich auch den Olympiatitel zurück, der 2018 an Schweden ging. Lægreid ist die Idealbesetzung für den Start, da er nicht nur ein guter Läufer ist, sondern vor allem auch schnell und akkurat schießen kann. Die Bø-Brüder gehören zu den besten Biathleten auf den mittleren Positionen. Daneben ist Christiansen zum idealen Schlussläufer gereift, der sicher trifft und mit Drucksituationen gut umgehen kann. Damit ist und bleibt Norwegen das Maß aller Dinge.

Frankreich

Frankreich hat mit Quentin Fillon Maillet und Emilien Jacquelin zwei Akteure, die den Norwegern das Wasser reichen können. Dahinter kommen Fabien Claude und Antonin Guigonnat nicht ganz an das Niveau heran. Zweifelsohne haben die Franzosen eine gute Mannschaft, aber ob sie Lægreid oder den Bø-Brüdern gefährlich werden können, bleibt abzuwarten. Sollte das französische Quartett allerdings fehlerfrei am Schießstand bleiben und Jacquelin in aussichtsreicher Position an Fillon Maillet übergeben (wie letzte Saison in Hochfilzen der Fall), können sie den Norwegern gefährlich werden.

Deutschland

Das DSV-Team hat zwar nicht mehr die großen Vier (Simon Schempp, Arnd Peiffer, Erik Lesser und Benedikt Doll) in seinen Reihen, ist aber dennoch nicht zu unterschätzen. Zusammen mit Johannes Kühn, Roman Rees und Philipp Nawrath bildet der verbliebene Benedikt Doll ein zuverlässiges Quartett, das regelmäßig ums Podium mitkämpfen kann. Wahrscheinlich zählen die vier auch zu den heißesten DSV-Medaillenhoffnungen bei der Heim-WM im Februar.

Außenseiter Schweden

Die schwedischen Männer lieferten vergangenen Winter nur ein gutes Staffelrennen ab, als sie 10,6 Sekunden hinter Norwegen als Zweitplatzierte ins Ziel kamen. In der neuen Saison könnten sie bessere Resultate erzielen, da neben den etablierten Sebastian Samuelsson und Martin Ponsiluoma auch Startläufer Peppe Femling mit Medaillenrängen bei den IBU-Sommerbiathlon-Weltmeisterschaften aufwarten konnte. Wenn es bei fünf oder sechs Nachladern bleibt, ist Schlussläufer Samuelsson durchaus in der Lage, aufs Podium zu laufen. Bleibt er sogar in Schlagdistanz zum Führenden, kann alles passieren (wovon JT Bø ein Lied singen kann).

STAFFEL FRAUEN

Schweden

Die schwedischen Frauen bestechen durch ihre Konstanz, einen starken Kader und ihre Erfolgsbilanz. Analog zu Norwegens Männern hatten sie im vergangenen Winter nur ein etwas schlechteres Ergebnis, als sie in Antholz das Team aus dem IBU-Cup an den Start schickten. Ansonsten standen die Schwedinnen fünfmal auf dem Podium und holten in Peking Olympiagold. Wie bei den norwegischen Männern gibt es auch bei den schwedischen Frauen ein herausragendes Geschwisterpaar: Hanna und Elvira Öberg. Vor den beiden starten die überaus zuverlässigen Linn Persson und Mona Brorsson, während sich Ex-Langläuferin Stina Nilsson in Wartestellung befindet. Coach Johannes Lukas zu seinem Team: „Die Stärke unserer Frauen war keine Überraschung. Als es bei den Olympischen Spielen drauf ankam und alle eine Medaille von uns erwarteten, konnte man vom ersten Meter an spüren, dass die Mädels von der Goldmedaille überzeugt waren.“ In diesem Winter könnte es sogar noch besser laufen: Wenn Hanna wieder „Normalform“ erreicht, Elvira noch besser wird und die anderen drei um die verbliebenen zwei Plätze kämpfen, sind die Schwedinnen nur schwer zu schlagen.

Deutschland

Auf dem Papier hat Deutschland das zweitbeste Team im Weltcup. Vanessa Hinz und Franziska Preuß, die zuletzt mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatten, sollten wieder bereit sein. Vanessa Voigt, Shooting-Star im doppelten Sinn, gehört bereits nach einem Jahr Weltcup-Erfahrung zu den besten Startläuferinnen. Auf sie folgen die erfahrenen Hinz und Preuß, ehe Denise Herrmann-Wick auf Position 4 im Schlussduell gegen nahezu jede andere Läuferin bestehen kann. Noch nicht ganz der Hochglanz früherer Tage, aber in jedem Fall ein solides Team, das Potenzial hat, in jedem Staffelrennen vorn mitzumischen.

Frankreich

Frankreich hat mit Anaïs Bescond (Rücktritt) und Justine Braisaz-Bouchet (Mutterschaft) zwei wichtige Stützen verloren. Die starke Startläuferin Anaïs Chevalier-Bouchet, ihre Schwester Chloé auf der Zwei und die energische Schlussläuferin Julia Simon haben dennoch viel Qualität. Um Simon in eine gute Position im Kampf ums Podium zu bringen, ringen im französischen Team Caroline Columbo, IBU-Cup-Star Lou Jeanmonnot und Paula Botet um den letzten verbliebenen Platz. Jeanmonnot weist eine Trefferquote von 90 % auf, sodass sie die besten Karten haben dürfte. Damit hätte Frankreich ein starkes Quartett zusammen.

Außenseiterchancen für Italien und die Schweiz

Italien hat das erfolgreiche Duo Dorothea Wierer und Lisa Vittozzi. Vittozzi ist eine exzellente Staffelläuferin, während Wierer an einem guten Tag das ganze Feld auseinanderreißen kann. Samuela Comola und Federica Sanfilippo haben vergangenen Winter in Kontiolahti dafür gesorgt, dass die stolze Nation aufs Podium kam. Jüngere Athletinnen wie Rebecca Passler, Hannah Auchentaller oder Beatrice Trabucchi geben den Italienerinnen weitere Optionen.

Die Schweizerinnen blicken noch immer gern auf die Saison 2019/20 zurück, als sie den Staffelweltcup auf Rang 2 beendeten. Lena Häcki-Gross sowie die Gasparin-Schwestern Aita und Elisa hinterließen bei der Sommerbiathlon-WM zudem einen guten Eindruck. Dazu kommt die zweifache Goldmedaillengewinnerin bei den IBU-Weltmeisterschaften der Jugend und Junioren, Amy Baserga, sodass in der Saison 2022/23 durchaus mit der Schweiz zu rechnen sein wird.

MIXED-STAFFEL

Norwegen

Norwegen gewann 2021/22 vier von fünf Wettkämpfen, einschließlich Olympia. Eine Wiederholung dieses Erfolges könnte in diesem Jahr etwas schwieriger werden, da Tiril Eckhoff fürs Erste ausfällt und Marte Olsbu Røiseland noch hinter dem Zeitplan zurückliegt. Unmöglich ist es aber nicht. Aus dem starken Männer-Team kann jeder einzelne Athlet zusammen mit Olsbu Røiseland und Ingrid Landmark Tandrevold in den Mixed- und Single-Mixed-Staffeln erfolgreich sein. Wäre da nicht das alte Lied der unnötigen Strafrunden, die in Oberhof 2022 beispielsweise nur einen 16. Platz im Single-Mixed-Wettbewerb ermöglichten. Wenn sie den Kreisel vermeiden können, sind die norwegischen Teams sicher nur schwer zu schlagen.

Schweden

Schweden kann die norwegische Staffel sicherlich ärgern. Elvira und Hanna Öberg plus Martin Ponsiluoma und Sebastian Samuelsson haben gehörig Power. Sie alle sind mindestens sehr gut am Schießstand und ihre läuferischen Qualitäten stehen außer Frage. In den Single-Mixed-Rennen könnten eine der Öberg-Schwestern und Samuelsson für Furore sorgen.

Frankreich

Vor Saisonstart ist das französische Team wahrscheinlich noch einen Ticken hinter Schweden einzuordnen. Fillon Maillet und Jacquelin sind beide hervorragende Staffelläufer und sicherlich erste Wahl. Doch auch Antonin Guigonnat und Julia Simon sind als amtierendes Weltmeisterduo im Single-Mixed nicht zu unterschätzen. Mit der zuverlässigen Chevalier-Bouchet hat Frankreich eine vorzügliche Mixed-Staffel am Start. On top liebt das französische Team Staffelrennen und dürfte deshalb ein gehöriges Wörtchen im Kampf um die Spitze mitreden.

Deutschland und Italien mit Außenseiterchancen

Auf dem Papier hat Deutschland mit Doll, Rees, Preuß, Herrmann-Wick oder Voigt ein starkes Team, das es im vergangenen Winter aber kaum aufs Podest geschafft hat. Dennoch haben die DSV-Staffeln das Zeug dazu, um die Podestplätze mitzukämpfen.

Die italienische Mixed-Staffel um Lukas Hofer, Vittozzi und Wierer muss in der neuen Saison auf Dominik Windisch verzichten. Seinen Platz könnten Tomaso Giacomel oder Didier Bionaz einnehmen. Das Duo Hofer/Wierer hat in der Single-Mixed immer Podiumspotenzial.

Auch in der neuen Saison versprechen die Staffelrennen viel Spannung und attraktiven Biathlonsport. Und schon nächste Woche wissen wir, wer in Kontiolahti ins Rampenlicht laufen wird …

Fotos: IBU/Christian Manzoni, Evgeny Tumashov, Vianney Thibaut

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