NEWS & MEDIA
Neues von der IBU, den Veranstaltungen, Verbänden, Athleten, Pressemitteilungen und mehr.
rss | Drucken |  Senden |  Feedback |  Social Networks

Ein Tag mit…Arnd Peiffer

29.12.2009, Salzburg / Tanja Ohlson
Während die Biathlon-Wettkämpfe sich derzeit in der Weihnachtspause befinden und auch viele Athleten zu ihren Familien nach Hause gefahren sind, haben sie dennoch keinen Urlaub. Gerade in der Olympiasaison ist das Training nun sehr wichtig. Arnd Peiffer verbringt Weihnachten zwar zu Hause in Niedersachsen, reist direkt nach den Feiertagen aber nach Oberhof zur Trainingsgruppe, um sich dort auf den nächsten e.on Ruhrgas IBU Weltcup vorzubereiten. Noch in der Saisonvorbereitung beim Trainingslager in der Ramsau am Dachstein ließ er biathlonworld.com einen Tag in seinen Trainingsalltag schauen und erzählte dabei viele interessante Details über sein Training, seine Form und seine Pläne für den Winter.

Copyright

7 Uhr:   Frühstück, für Arnd der wichtigste Punkt des Tages. „Wenn das Frühstück gut ist, ist der Start in den Tag auch gut. Eigentlich bin ich nicht so der Esser morgens, meistens esse ich etwas Müsli, dann noch ein Brötchen und wenn es Ei gibt, dann noch ein Ei. Es ist auch wichtig, dass man erst mal ne gute Grundlage legt, denn wenn man dann über 2 Std. Skilaufen geht, dann ist es schon wichtig, dass man was gegessen hat. Es ist auch wichtig, dass da zwischen Frühstück und Training etwas Zeit liegt, man kann nicht so um 7 Frühstücken und um halb 8 zum Training gehen.

7.45 Uhr              Das Team spricht ab, wohin sie zum Skilaufen gehen, denn aufgrund der Witterung war nicht klar, ob es zum Gletscher hinauf gehen würde. Letztendlich bleiben sie auf der rund 10 km langen Runde im Ort. „Die Mischung machts, der Skitunnel, der Gletscher und die Runde unten sind alle gut, der Vorteil am Tunnel ist halt, dass man genau weiß, was einen erwartet, der Schnee ist gut, die Temperatur immer gleich, aber man kann das nicht zu lange am Stück machen. Dafür ist es draußen nicht immer gut, hier ist es etwas uneben“

8.15 Uhr              Die Mannschaft fährt Richtung Skistadion los, dort werden die Skier angeschnallt und das Training beginnt.

9 Uhr     Training. „Es ist schön, wieder auf Skiern zu stehen. Im Sommer läuft man ja nur auf Rollern und das ist schon was anderes. Außerdem, wenn man jetzt rausschaut, dann ist das ja auch viel gemütlicher als bei 30 Grad auf einer Rollerbahn. Auf Skiern da gleitet man dann einfach so dahin, also ich freue mich dann schon darauf, irgendwann die Roller in die Ecke zu legen. So ein bisschen ist es eine Umstellung, einfach dadurch, dass die Ski auch länger sind und sich konstruktionsbedingt anders laufen, da fehlt am Anfang etwas das Feingefühl. Aber desto älter ich werde, umso leichter fällt mir die Umstellung, da kann man dann morgens Skilaufen und nachmittags rollern.

Es macht Spaß, in der Mannschaft dabei zu sein. Letztes Jahr habe ich die Vorbereitung im B-Kader gemacht und das war nicht so groß anders, da hatte ich auch gute Bedingungen und gute Trainingspartner.

Es motiviert, hier in der Gruppe dabei zu sein. Also wenn man dann mal nicht so gut drauf ist, dann tut es gut, wenn man sieht, dass es doch irgendwie weitergeht. Denn die Formkurve ist ein Auf und Ab und ab und zu kommt dann halt mal ein Tief und dann denkt man, das wird nie wieder besser, aber da muss jeder Sportler durch. Ich mach das nicht so an Platzierungen fest ob es gut läuft. Es gibt ja auch Rennen, bei denen man einen guten Ski hat, sich gut ausbelastet, gut schießt, aber es reicht eben nicht für die Top 10. Und das will ich eben auch machen und dann sehen, wozu es reicht. Es gibt ja auch manchmal Rennen, wo alles nicht so zusammengepasst hat und da kommt dann auf dem Papier ein besseres Ergebnis dabei raus als bei Rennen, wo man voll zufrieden ist und alles gepasst hat. Aber wir wollen ja immer das Optimum rausholen, ob da nun welche besser sind, die sind halt nun mal besser.

11.30 Uhr Trainingsende. Um nicht auszukühlen und sich womöglich zu erkälten, werden schnell Jacken und warme Hosen übergezogen, der erste Durst gestillt und dann die Ski in den Autos verstaut. Dann geht es zurück ins Hotel, um dort zu duschen.

12 Uhr Mittagessen. „Ich versuche schon, auf meine Ernährung zu achten. Ich habe jetzt schon ein paar Tafeln Schokolade oben in meinem Zimmer, so ist das nicht. Aber ich versuche, ein bisschen darauf zu achten, zu Hause sowieso, und wenn man jetzt hier ist, dann esse ich schon manchmal Fisch, auch wenn ich nicht so der Fischesser bin, und dann grundsätzlich einen Salat vorneweg. Also nicht übertrieben, aber ein bisschen achte ich drauf.“ Die Trainer schreiben dabei nichts vor: „Nee, wir sind ja alle auch erwachsene Leute, es gibt keinen Essensplan oder so, wir sind da schon sehr frei.“

Mittagspause. Arnd und Zimmerkollege Michael Rösch legen sich schlafen, nachdem beiden zum Ende des Mittagessens die Augen schon fast am Tisch zufallen. „Wir beide schlafen eigentlich mittags immer, während die anderen sich nur ausruhen, aber ohne wirklich zu schlafen.“

15.30 Uhr Schießstand: laufen in Verbindung mit Schießen, also Komplextraining, steht auf dem Programm. Die Trainer Frank Ullrich, Remo Krug und Mark Kirchner haben sich ein Spiel ausgedacht: die Athleten müssen eine gewisse Anzahl an Runden laufen, aber nur die Runden, in denen keine Schießfehler gemacht werden, zählen. „Das muss man in so einem Lehrgang immer im Auge behalten, wir müssen die Belastung hoch halten, aber eben auch das Schießen trainieren, denn im Winter, um irgendwo mitmischen zu können, muss eben beides stimmen und da darf man nichts vernachlässigen.

Schießen ist genau wie laufen, das ist auch immer ein auf und ab. Da gibt es eben auch so Phasen, da weiß man nicht woran es liegt und man trifft nicht und dann gibt es so Phasen, da läuft es einfach. Da denkt man sich: ist doch eigentlich ganz einfach, warum treffe ich denn nicht immer. Aber manchmal trifft man halt nicht und dann grübelt man darüber, warum das nicht geht.

Bis jetzt hat das Schießen unter Druck bei mir immer ganz gut funktioniert und das ist ein Vorteil, weil ich das Gefühl habe, dass das klappt, ich habe positive Erlebnisse gehabt und die kann ich jetzt mitnehmen. Aber ich würde nicht sagen, dass ich da stabiler bin als andere.“

An diesem Tag lief es am Schießstand bei allen anderen aber besser und Arnd lief einige Extrarunden. Jetzt, während der Saison, ist er der bisher beste deutsche Athlet und liegt in der Weltcup-Gesamtwertung auf Platz 10, drei Plätze vor Michael Greis. Doch bescheiden wie Peiffer ist, wollte er zum Thema Olympia keine Spekulationen anstellen: „Wir haben einfach eine unheimlich starke Mannschaft, es wäre vermessen, dazu eine Prognose abzugeben, ich warte da einfach ab. Es ist ja auch gut so, Konkurrenz belebt ja auch das Geschäft. Es ist gut, wenn ein hohes Niveau in der Mannschaft ist, das zieht einen selbst ja auch mit, aber es kann eben auch bedeuten, dass man selbst eben mal irgendwo nicht dabei ist. Das bedeutet nicht, dass man viel schlechter ist, aber es sind dann eben ein paar besser. Das kann sich schnell wieder ändern und das bedeutet auch, dass man relativ schnell wieder hochkommen kann. Davon habe ich letzte Saison profitiert, aber genauso kann es mich eben auch andersrum treffen.“

18 Uhr Abendessen „Es gibt abends immer zwei Gerichte zur Auswahl, die sind immer ausgewogen und gesund, aber ob man Suppe ist oder nicht, welche Vorspeise und ob man das Dessert ist oder nicht, das bleibt jedem selbst überlassen. Ich übertreibe da nicht, bring nicht mein eigenes Müsli oder Brot mit, das gibt es ja auch. Aber das ist ja auch ein Stück Lebensqualität, dass man dann was Gutes isst, wenn man irgendwo hinkommt.“

Ab 19 Uhr: Erst geht es zur Physiotherapie, also zur Massage und dann wird noch am Gewehr getüftelt: „ Wir haben einen Wissenschaftler hier , mit dem an der Waffe getüftelt werden kann. Er hat auch eine Laseranlage dabei, mit der man einiges analysieren kann. Man hat abends eigentlich immer etwas zu tun, ohne dass es stressig wird. Man beschäftigt sich da weiter mit sich selbst, auch wenn man nur etwas dehnt. Wir können in der Zeit schon machen, was wir wollen, wir müssen nicht zur Massage oder zur Laseranlage, das ist mehr Eigeninitiative, aber wir wollen ja auch weiterkommen. Also meistens machen wir schon noch was.“

22 Uhr: Arnd und Michi Rösch fallen todmüde ins Bett.


Links
Kontakt zum Autor