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H1N1 - Was Sie wissen (und tun) sollten
Was ist es?
Sie haben sicherlich schon von der neuen H1N1 Grippe (auch „Schweinegrippe" genannt) gehört. Obwohl es "Schweinegrippe" genannt wird, hat es nichts mit Schweinen zu tun. Der Virus ist einer von vielen Viren, die unser Atemsystem infiziert und, in einigen Fällen zu schwerer Krankheit und sogar zum Tod führen kann. Obwohl es mit der normalen Grippe, die jedes Jahr auftritt, nah verwandt ist, ist H1N1 ansteckender als die normale Grippe, verläuft in den meisten Fällen aber deutlich harmloser. Allerdings ist es ein komplett neuer Virus, der erst im April 2009 entdeckt wurde. Da es ein neuer Virus ist, haben die meisten Menschen kaum oder keine Antikörper, um ihn zu bekämpfen.
Was sind die Symptome?
Die häufigsten Symptome sind Fieber (93%), Husten (83%), Atemlosigkeit (54%), Schwäche (40 %), Schüttelfrost (37%), Muskelschmerzen (36%), Halsschmerzen und eine verstopfte Nase. Auch Übelkeit und Durchfall können auftreten und kommen häufiger vor als bei denen, die eine normale Grippeerkrankung haben. Die Personen mit Übelkeit und Durchfall müssen außerdem häufiger ins Krankenhaus, da es hier zu Problemen aufgrund von übermäßigem Flüssigkeitsverlust kommen kann. Nachdem man dem Virus ausgesetzt war, kann es bis zu eine Woche dauern, bis die ersten Symptome auftreten und Experten vermuten, dass der Virus noch bis zu eine Woche nach dem Abklingen der Symptome an andere Menschen übertragen werden kann (und diese somit angesteckt werden). Derzeit scheint es, als umfasse die höchste Risikogruppe Personen im Alter von 5 bis 24. Die meisten Todesfälle treten allerdings in der Gruppe der 24 bis 49 jährigen auf. Dies unterscheidet sich deutlich von der normalen Grippe, bei der 90 Prozent der Todesfälle bei Personen über 65 auftreten.
Wie schütze ich mich?
Wenn man nicht gerade in einem Ganzkörper-Schutzanzug herumläuft, wird es schwierig werden, jeglichen Kontakt mit den infizierten zu vermeiden. Die Virenkonzentration ist im Umkreis von 1 Meter um die Kranken herum am größten, besonders wenn sie husten oder niesen. Es hilft, die Hände zu waschen aber der Virus greift uns durch die Lunge an. Wir müssen es also einatmen, um infiziert zu werden. Für Athleten stellt das eine schwierige Situation dar, denn sie reisen viel und besonders im Flugzeug sitzt man dicht nebeneinander und die schlechte Atemluft erhöht das Risiko einer Ansteckung. Ein gut funktionierendes und fittes Immunsystem (nicht übertrainiert) und gute Erholung garantieren, dass die direkte Immunabwehr optimal funktioniert
Athleten und ihre wichtigsten logistischen und unterstützenden Betreuer sollten eine Impfung in Betracht ziehen. Eine Impfung gegen die normale Grippe schützt Sie nicht gegen H1N1 und wenn Sie Schutz wünschen, brauchen Sie eine Impfung gegen H1N1. Dabei gibt es zwei Arten von Impfungen- eine durch die Nase eingenommene und eine injizierte. Bei beiden braucht man nur eine Dosis Impfstoff (außer man ist jünger als 9). Es wird wahrscheinlich besser sein, die Injektion zu erhalten, denn Studien über die nasale Impfung bei der normalen Grippe haben gezeigt, dass diese nur halb so effektiv ist wie eine Injektion. Personen mit schweren Allergien gegen Eier oder einen der in dem Präparat enthaltenen Stoffe sollten nicht geimpft werden. Da die Herstellung des Impfstoffes fast die gleiche ist wie die für den Impfstoff gegen die normale Grippe sollten Personen, die schwere Reaktionen auf die normale Grippeimpfung gezeigt haben, sich nicht impfen lassen. Allerdings ist das Risiko einer lebensbedrohlichen Reaktion extrem gering. Eine Rötung und leichte Schmerzen an der Einstichstelle sind normal, sollten aber nach 1 bis 2 Tagen vergehen. In keinem der beiden Impfstoffe sind Inhaltsstoffe enthalten, die auf der WADA Liste der verbotenen Substanzen stehen. Es ist also unmöglich, aufgrund der Impfung einen Dopingtest nicht zu bestehen.
Es gibt zwei verschiedene Medikamente für infizierte oder dem Virus ausgesetzte Personen:
- 1) Eine Infektion kann mit Oseltamvir (Tamiflu) behandelt werden. Es wird mit 60 mg zweimal täglich für fünf Tage dosiert. Um ein Ausbrechen der Krankheit bei denen zu verhindern, die dem Virus (bei bestätigten Fällen von H1N1) ausgesetzt waren, kann Tamiflu ebenfalls mit einer Dosierung vom 60 mg zweimal täglich für 10 Tage eingenommen werden.
- 2) Infektionen können auch mit Zanamivir (Relenza) behandelt werden. Dies ist eine inhalierte Medizin. Es wird mit 10 mg (zwei Sprühstößen) dosiert und zweimal täglich für fünf Tage angewendet. Um ein Ausbrechen der Krankheit bei Kontakt mit bestätigten Grippefällen zu verhindern, kann Relenza mit einer Dosis von 10 mg für 10 Tage eingenommen werden.
Bitte seien Sie sich darüber bewusst, dass es Betrüger gibt, die gefälschtes Tamiflu und Relenza verkaufen. Sie sollten diese Medikamente nicht über das Internet beziehen, da sie dann höchstwahrscheinlich gefälscht sind. Sie sollten Ihren Teamarzt eine adäquate Menge des Impfstoffes für Ihr Team beziehen lassen. Da befürchtet wird, dass der Virus gegen den Impfstoff resistent wird, ist es wichtig, dass Sie die Medikamente nur auf den Rat des Teamarztes einnehmen, der sich mit dieser Krankheit auskennt und Sie beraten kann, wie die Behandlung ablaufen sollte. Jeder Verband sollte veranlassen, mindestens einen Teamarzt als Ansprechpartner dafür zu haben, der während der Saison zumindest per Telefon erreichbar ist.
Warum sollten wir besorgt sein und etwas unternehmen?
Offensichtlich hat der Virus das Potential, verheerende Auswirkungen auf einen Sportler, ein Team und unseren Sport zu haben. Die rapide Verbreitung und heftigen Symptome können die Trainingspläne des Einzelnen durcheinanderbringen und ein Ausbruch bei einem Weltcup könnte verheerend sein. Zusätzlich ist dies ein olympischer Winter und jeglicher Verlust an Trainingzeit könnte ernste Konsequenzen für diejenigen haben, die versuchen, zu den Olympischen Spielen ihren Trainingshöhepunkt zu erreichen. Ein Ausfall von wichtigen Betreuern zu entscheidenden Zeiten kann genauso schädlich für den Erfolg sein (Wachser, Mannschaftsführer, etc.)
Was empfiehlt das Medizinische Komitee der IBU?
- 1) Impfen Sie alle Athleten und die wichtigsten Betreuer sowohl gegen H1N1 und gegen die normale Grippe.
- 2) Legen Sie einen Vorrat an Tamiflu oder Relenza an, den das Team mitnimmt und mit dem Sie Personen mit Symptomen (siehe oben) behandeln können. Behandeln Sie auch die Personen, die in engen Kontakt mit der infizierten Person gekommen sind (z.B. Zimmerkollegen). Versuchen Sie, dies mit Ihrem Teamarzt abzustimmen, der jeden Fall einzeln prüfen sollte, bevor ein Medikament verabreicht wird.
- 3) Nehmen Sie Gesichtsmasken mit. Die Mitglieder Ihres Teams, die infiziert sind, sollten die Masken immer tragen, wenn sie sich in Gegenwart anderer aufhalten.
- 4) Jedes Teammitglied sollte ein Desinfektionsmittel für die Hände dabei haben und damit auch regelmäßig die Hände waschen. Außerdem sollten die Hände von Gesicht und Mund ferngehalten werden.
- 5) Vermeiden Sie es, überzutrainieren. Seien Sie besonders nach intensiven oder langen Trainingseinheiten, bei denen die körpereigene Abwehr geschwächt wird, vorsichtig.
- 6) Stellen Sie eine gute Nährstoffversorgung sicher, trinken Sie ausreichend und schlafen Sie genug. Dies ist wichtig, um das Immunsystem fit zu halten.
- 7) Halten Sie sich von Personen fern, die Husten und niesen.
- 8) Isolieren Sie Teammitglieder, die infiziert sein könnten (Einzelzimmer, vermeiden Sie Teammeetings, Tragen einer Maske in Gegenwart anderer). Überlegen Sie, die Person sobald wie möglich nach Hause zu schicken, bis die Krankheit abgeklungen ist.
- 9) Trainieren Sie nicht, wenn Sie krank sind, besonders wenn Sie Muskelschmerzen haben.
Lassen Sie uns gemeinsam sicherstellen, dass wir eine gesunde Saison und erfolgreiche Olympische Spiele haben. Diese Saison ist einzigartig, so etwas gibt es nur alle vier Jahre. Achten Sie auch sich selbst, so dass unsere „Familie" gesund bleiben kann. Bitte befolgen Sie unseren Rat.
Beste Grüße
Jim Carrabre MD MPE FACSM
Vorsitzender IBU Medizinisches Komitee












